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Full text of "Beiträge zur geschichte der universitäten Leipzig und Wittenberg"

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Beiträge zur 



geschichte der 
Universitäten 
Leipzig und 
Wittenberg 



Wilhelm ^ 
Bruchmüller 



HARVARD COLLEGE 
LIBRARY 




GIFT OF THE 

GRADUATE SCHOOL 
OF EDUCATION 



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Beiträge zui' Gescliiclite 

der 

nmsiiäien LeiM id Hern 



Nebst einem Anhang. 



Von 



Dr. W. Bruchmüller. 




Leipzig. 

Pieterieh' flehe YerlagB-Buoliliaxidliing 

nwodor W«leli«r 
189& 



/ 



HARVARD COLLEGE LIBRAffff 

GIFT er TM£ 
GRAOUATE SCHOOL OF EOUCATIOM 

MAY 141931 



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Inhalt, 



1. 


Die Universitäten Leipzig und Wittenberg in den ersten Decen- 








1 


2. 


Die Ver^'altung und Organisation der Universitäten Leipzig und 








15 


3. 


Anhang': Zur ältesten Geschichte der Universität Frankfurt 








51 




Vorwort. 



Die Dachfplgenden drei kleiDen Aufsätze sind schon Mher, 
wenn auch in etwas anderer und Terkürzter IFonn, yereinzelt 
im Druck erschienen^ die heiden ersten im Jahrgang 1896 der 
Wissenschaftlichen Beihige zur Leipziger Zeitung, der dritte im 
gleichen Jahr in der Ihrankfurter Oderzeitung. Was im be- 
sonderen diesen dritten als Anhang beigegebenen Artikel be- 
trifft, so sei bemerkt, dass ich ihn den beiden sich mit der 
Geschichte der Universitäten Leipzig und Wittenberg be- 
schäftigenden Aufsätzen beigefügt habe, weil er uns, wenn auch 
in flüchtigen, skiz/t nliaften Umrissen, ein Bild giebt von dem 
Leben und den Einrichtungen an einer anderen ostdeutschen 
UniTersität jener Tage. Dem Leser wird es dadurch ermög- 
licht, wenigstens für manche Punkte Vergleiche zwischen den 
einzelnen UniYersitäten anzustellen und aus den Uberein- 
stunmungen und Abweichungen sich einen ungefähren Schluss 
zu machen, was 7on den Wittenberger und Leipziger Einrich- 
tungen und Zuständen, die er in den ersten beiden Aitikehi 
kennen lernt , einerseits spedfische Eigentümlichkeit dieser 
sächsischen Hochschulen, was ihnen dayon andererseits mit 
andereü Universitäten Deutschlands gemeinsam war. 

Führt uns der erste Aufsatz . der sich mit dem Siege des 
Humanismus an den beiden Universitäten Leipzig und Witten- 
berg beschäftigt, in die Zeit des Eraporblühens einer neuen 
freieren Weltanschauung und eines neuen wahrhaft wissen- 
schaftlichen Lebens, so erinnert uos der zweite Artikel an 
Tiden Stollen, mag er sich auch vorzugsweise mit der äusseren 
Verwaltung und Organisation der UniTcrsitäten befassen, daran, 



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"VI 



Vorwort 



dass schon am Ausgang des XVI. und gar im XVII. Jahr* 
hundert dieser freiere Hauch geistigen Lebens auch an den 
evangelischen Universitäten yollkommen yerweht war. Unter 
dem Druck einer starren und Terknocherten lutherischen Becht* 
gläubigkeit war an die Stelle freien Strebens nach Wahrheit^ 
wie sie der Beginn des XVI. Jahrhunderts zeigt, ein pseudo- 
"wisbeiischaftliches, spitzfindiges Begriffespalten eine öde, inhalt- 
lose Wortklauberei und ein pedantisches Festklammern an über- 
kommene dogmatische Begriffe getreten, wie sie der Zeit der 
ausgehenden Scholastik alle Ehre gemacht hätte. Eine mit 
dem Ansprach, im alleinigen Vollbesitz der Wahrheit zu sein, 
auftretende Orthodoxie ist eben, wo immer sie zur Herrschaft 
gelangt, mnt: sie sich nun evangelisch oder katholisch nennen, 
stets die Todfeindin eines Toraussetzungslosen , nur nach der 
Wahrheit suchenden, wissenschaftlichen Strebens. 



Der Verfasser. 




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L 



Die Universitäten Leipzig und Wittenberg 
in den ersten Decennien des XYI. Jahr- 
hunderts. ^) 



Wenn man glaubt» dass schon seit der Mitte des XIV. Jahr- 
hunderts und gar im XV. die Blüte und innere Kraft der 
Scholastik in Deutscbland gebrochen gewesen sei, so befindet 
man sich in einem grossen Irrtum. Das erweisen allein schon 
die zahlreichen üniTersitätsgröndnngen jener Jahre in Deutsch- 
laad. Sie begannen mit der Broffhung von Prag 1348, es folgten 
rasch hintereinander die von Wien, Heidelberg, Kulu, Eri'urtj 
Leipzig und E,ostock. Nach einer kurzen Pause setzt dann 
eine neue Epoche dieser Gründungen ein, in der Greifswald, 
Freiburg, Basel, Ingolstadt, Mainz. Tübingen, Wittenberg und 
als letzte 1506 Frankfurt a 0. eröffnet wurden. Trotz dieser 
Neuschöpfongen aber, oder gerade durch sie waren seit der Mitte 



*) An Litteratnr voidin su dioiieni AnCmti beootst: L Felician 

Gess: Die Leipziger Universität im Jahre 1502. In dor Fwtflcbrift zum 
deutschen Historikertago in Leipzig 1884. 2. Felician Gess: Leipzig 
tmd Wittenberg". Ein Beitrag" zur säohdachen Kefonnationsgeschichte. 
Neues Archiv für sächf=is('}ie (-rpsrliichte Bd. XVI. 3. Paulsen: Gre- 
Bchichte des gelelirten üüLernclits. 4. Lamprecht: Deutsche Geschichte 
Bd. VI. 5. V. B e t z o 1 d : Greschiclite der deutschen Reformatiun. 6. D a - 
rid Strauss: Ullrich von Hutten. 7. Allgemeine deutsche Bio- 
graphie. 8. Urkundenbnch der ünirersitit Leipzig. 9. Co- 
dex Augmteiia. 

Brncbrnttller, Butiäge. 1 



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2 Die UniTenitäten Lttpsg und Wittenberg im XVI. Jahrhimdert* 

des XV. Jahrhundert» die Tage der Scholastik geas&hlt; ihr ver- 
alteter Studienhetrieb muflste einer neuen Bichtung, einer ganz 
nenen Weltansehauung, die von Italien her damaJa ihren Sieges- 
lauf dnrch Dentaehland begann, Plats machen, dem Hnmanismiis. 
Italien ist das Geburtsland der Renaissance. Man hatte den 
Menschen viederentdeckt, d. h, den Menschen als Emzelperson, 
als IndiTidnnm. Sieh loslösend ans der Gebundenheit des Mittel* 
alters, die den Einzelnen nur als Mitf^lied seiner Kaste, seines 
Standes gelten lassen wollte, griff man jetzt zurück auf die 
Jahrhunderte lang verschüttet gewesenen Quellen der klassischen 
Litteratur der Römer und Griechen, für deren Verständnis man 
erst jetzt durch das Bewusstwerden seiner Selbst reil geworden 
war. Und mit Erstaunen fand man dort wieder, was man au 
sich selbst erfuhr, eine daseinsfreudige, selbstbewusste Indi- 
fidualität. £s ist die erste schöne Frühlingszeit eines neu er- 
wachenden Geisteslebens, eines frischen Wachsens und Spriessens^ 
wo man an jedem jungen Keim, an jedem neu sich erschliessenden 
grünen Blatt sich erfreut und noch nicht ängstlich nach den 
Früchten fragt; wo selbst das Unkraut mit Freude begrüsst 
wird, nur weil es kräftig grünt, wo alles nur vorwärts drängt, 
unbekümmert um das Ziel, das noch in nebelhafter 1^'erne und 
in Ungewissen Umrissen den Eilenden winkt. 

So innss man an diese grosse Revolution des creistigen Lebens 
herantreten, will man rein und unbefangen ihrer Grossartigkeit 
und Kraft sich erfreuen. Angstliches Fragen nach Ziel und 
Ausgang, kleinliches Splitterrichten, das scheltend und belfernd 
jeden grossen oder kleinen Fehler aufdeckt, ist ihr gegenüber 
nicht am Platze. 

Gewiss wucherte manch' lustiges Unkraut und manche 
schiUemde Giftblume in der grünen Saat Gewiss gab es unter 
den Humanisten manche zweifelhafte Persönlichkeit, manchea 
verbummelte Genie, wie Peter Luder z. B., der sich besser auf 
Sciiuldenmachen und Liebesabenteuer als auf die Wisseuschaft 
verstand. Gewiss mag in manchen unklaren Köpfen die ein- 
gehende Beschäftigung mit dem klassischen Altertum die Utopie 
einer schrankenlosen itenaissance des Altertums haben entstehen 
lassen, mögen sich die Begriffe von Sitte und Glaube bedenklich 
verschoben haben, und der Sinn für die Gegenwart Verloren 





SHb Uni'vmtSteii Lttpdg und Wittenberg im XVI» Jahrhundert 3 

gegangen sem. Deshalb aber die gainze herlliche Bewegung 
zu Ternrteilen, vorher alles in rosarotem Lichte zn sehen und 
nach ihr aUes schwarz und nodimals schwarz , sie för die 

Trägerin der Unsittlichkeit und des Atheismus zu erklären, das 

beweist nur die Unfähigkeit kleinlicher Geister, diese grosse 
Entfaltung des Menschen geistes zu verstehen imd zu erfassen. 
Und das auch wolle man nie vergessen: Ohne Humanismus 
war eine lleforination unmöglich. Der HumaniRrnus hat Luther 
die Wege gebahnt und die Geister erst empfänglich gemacht, 
etwas J^eues überhaupt zu erfassen. Ganz abgesehen da- 
von , dass er erst der Reformation die formalen Mittel zum 
Kampfe wider Born in die Hand gab, die Kenntnis der alten 
Spradien. 

Humanismus und Beformatäon sind beides Äusserungen 
smer und derselben grossen geistigen Bewegung, die auf die 
Befreiung der EinzeHndiiddualitttt aus dem Bann mittelalter- 
lichen Konventionalismus drang. Und der Humanismus, wie er 

lü italien erblühte, war entschieden die ältere und umfassendere, 
aber auch überall oberflächlichere dieser beiden Äusserungen, 
während in der deutschen Deformation Martm Lathtr diese 
Bewegung nach echt germanischer Art verengte, aber auch ver- 
tiefte. Ohne die Reformation wäre der deutsche Humanismus 
aicher eben so unfruchtbar gehlieben für die Nation als Ganzes, 
wie es schliesslich der italienische für Italien geworden ist. Die 
böhm geistige Beanlagung des deutschen Volkes, sein tieferes 
ReligionsbedUrfnis heischte dringend eine entschiedene Wendung 
dieses neu erwachten Individualismus auf das kirchliche und 
religiöse Gebiet. Von blosser Ästhetik konnte das deutsche 
Volksgemüt nicht satt werden. Diese beiden grossen geistigen 
Bewegungen sind eben nicht von einander unabhängigt' , nur 
zufällig gleichzeitige, sondern sie erwacbsen aus ein und dem- 
selben Grunde, aus der rtu erwachten individuellen Weit- 
anschauung. Ohne die Reformation, ohne die Anwendung des indi- 
Tidualismus auf die höchsten Fragen des Menschengeschlechtes, 
auf das persönliche Verhältnis des Einzelnen zu seinem Gott, 
bätte ein rein schöngeistiger Humanismus notwendigerweise ver- 
landen und* verflachen müssen. Ohne die Benaissance anderer- 
8«LtB wäre die Befonnation im glücklichsten FtSU nichts anderes 

1* 



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4 Dia OniTenitaten Leipag und Wittenberg im XVI. Jahrliimdert 

als eine äusserliche Beformbewegang innerhalb der katholischen 
Kizohe geworden. 

Seit der Mitte des XV. Jahrhmiderts etwa begann nun, wie 
schon gesagt» in Deutschland der Kampf zwischen Hmuanismiis 
und Scholastik um die UniTersit&ten, vor allem um die Fakultät 
der Artisten 7 der Vorstufe für die drei oberen Faknltftten. 
War sie genommeD, so fielen die drei anderen dem Sieger von 
selbst zu. Am frühesten gelangte der Humanismus in Wien 
zur Herrschaft. Ich erinnere au die bekannten Nnmen Peuer- 
bach, Regiomontan, Cuspinian, Conrad Geltes. Es ioigten dann 
Basel und Tübingen. In Mitteldeutschland wurde am frühesten 
Erfurt ergriffen; hier blühte der „ordo Mutiani"} es wirkten 
Männer wie Mutianus Bufus, Grotus RubiannS} Eobanus 
Hessus XL. a. m. Ans diesem Erfurter Kreise gingen die epistolae 
ohscuromm virorom herror, Ton denen ein nicht geringer Teil 
mit Beziehung auf unser Leipzig geschrieben ist, welches unter 
den bedeutenden ünirersitaten zusammen mit Köln zu Beginn 
des XVI. Jahrhunderts als eine Hochburg der Scholastik galt, 
während Wittenberg und Prankfurt a. O. sich sofort nach ihrer 
Entstehung hiiciimistischen Einflüssen geneigt zeigten. 

Wie nun m Leipzisr und Wittenberg im Laufe der ersten 
Decennien des XVI. J aiirhunderts die neue Bewegung der 
Geister völlig zur Herrschaft gelangte, aber sofort dann auch 
von der noch neueren der Reformation abgelöst wurde , davon 
soll nun in den folgenden Zeilen versucht werden, ein ungefähres 
Bild zu geben. 

Leipzig war, wie wir wisseui 1409 von Prag aus hegrttndet 
worden. Fast ein Jahrhundert hindurch besass die TJniYersit&t 
im ostlid&en Deutschland keine Bivalin; das wurde mit Beginn 
des XVI. Jahrhunderts anders. Bei der Teilung der wetiäniscfaen 
Lande 1485 war Leipzig endgültig den Albertinem zugefallen; 
und der Wunsch der Emestiner nach einer eigenen Landes- 
universität wird ein Hauptbewoggrund für die Erschaffung der 
Universität Wittenberg gewesen sein, wie derselbe Wunsch 
später, nach dem Verlust von Wittenberg, zur Gründung der 
Universität Jena fübrte. Am 18. Oktober 1502 wurde in der 
kleinen, fast dorfähnlichen Stadt von kaum 3000 Einwohnern 
die UniTersität eröffnet. Im Jahre 1506 erfolgte die Ghrttndung 



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Die Univerntäten Leipzig^ und Wittenberg im XVI, Jahrhundert. 5 

Erankfuits a. 0. Hier wie in Wittenberg waren frühere Leipziger 
Dooenten die ersten Rektoren, in Wittenberg Meilerstadt, in 
Frankfurt Wimpina, der später als tüchtiger Gegner Lathers 
Berühmtheit erlangt hat 

In Xieipzig war man Ton Anfang an von der Nachricht 
der Erdffiiung der Umyersität Wittenberg am 18. Oktober 1502 
keineswegs erbant^ weil man eine bedeutende Konkurrens 
fürchtete. In Wittenberg war das Leben billiger, man hatte 
„leichte Zehrimg all da", ausserdem sollten exquisite Legenten'^ 
an die neue Hochscliuie berufen worden sein. Man hatte des- 
halb allen Grund , sich vor einer Massenauswanderung der 
Leipziger Studenten nach Wittenberg zu fürchten . bpsoTiders 
da man schon seit eiuiger Zeit bemerkt zu haben glaubte^ dass 
die Studenten in Leipzig nicht mehr recht heimisch und sess- 
haft werden wollten. Und die Zustände der Leipziger Vm* 
Tersität lassen ebe solche Befürchtung nur als allzu berechtigt 
erBcheinen. Freilich war schon 1462 Petrus Luder auf kurze 
Zeit in Leipzig aufgetaucht, aber er war wohl der ungeeignetste 
Mann, um hier für die neue Bichtung, als deren Vertreter er 
sich in hochtönenden Phrasen einführte, Propaganda zu machen ; 
auch war er bald wieder davongezogen, und so waren in Leipzig 
die alten Zustande geblieben. Und was für Zustände I Man 
braucht die Kenntnis hierfür nicht allein aus den epistolis 
obscurorum viroruni au das Haupt derselben (3rtuinu9 Gratius 
in Köln, zu schöpfen, iu deren erstem Brief uns die köstliche 
Schilderung eines Leipziger prandium magistrale gegeben ist, 
bei dem sich diese seltsamen scholastischen Käuze mit Auf- 
wendung all ihres dialektischen Scharfsinnes über die tiefsinnige 
und wichtige Frage streiten, ob jemand, der zum Magister 
promo^rt werden soll, richtiger noster magistrandus, oder 
magister nostrandus genannt werden müsse. Es liegen uns üb« 
die damaligen Leipziger Zustände noch andere, beweiskrafltigere 
Berichte vor, die uns Felician Gess in seinem Aufsatz: „Die 
Leipzi(?er Universität im Jahre 1502'' wiedergiebt. Herzog 
Georg von Sachsen , der sich nachmals so sehr um die Ge- 
winnung Leipzigs für die humaniaiischen Studien verdient 
gemacht hat, weilte im Oktober 1502 in Leipzig, als die Nach- 
zieht von der Eröffnung Wittenbergs eintraf. £r erkannte so- 



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6 Die ünhranitSteii Lelpsig and Wittenberg im XVL Jahrirnndert. 



fort die Ton dorüier drohende Qefahr für seme ümversität 
und forderte TOn Bektor und BfimtUohen Docenten umgehend 
flohrifüiohe Ghitaehian IU>er die MiB&st&nde nnd Vorschläge zu 
ihrer Beseitigung em. Die hekanntesten unter den Ter&ssem 
dieser Berichte sind der Theologe Wimpina, der Mediziner nnd 
spätere Ereund Luthers Stromer vod Auerbach , der in den 
Jahren 1519 — 1530 Auerbachs Hof in Leipzig erbaute und den 
berühmten Keller anlegte, femer die Juristen Johannes Breiten- 
bach und Laurentius Zcoch. Hier stellten sich nun die furcht- 
barsten Missstände heraus. 

Die meisten Gutachten beginnen mit einer Charakteristik 
der theologischen Fakultät, weil sie die oberste sei und sich 
anmasse, in alle Angelegenheiten der anderen Fakultäten hinein- 
zureden. Ihre Henschsncht wird allgemein beklagt , dabei 
halten sich die meisten ihrer Mitglieder seit Jahr nnd Tag 
gamicht in Leipzig auf, obgleich sie ihr jährliches Gehalt ruhig 
veiterbedehen, sondern pflegen em beschauliches Dasein in 
Magdeburg, Merseburg und anderen Orten. Wimpina hält dar 
bei ihre Kückbenifiuig garniciit einmal füi- wünschenswert, da 
sie der Fakultät ilucb wenig Ruhm bringen würden. Oft seien 
nur zwei Doktoren der heiligen Schrift in Tj^ipzig anwesend, 
und daher gäbe es nur wenige und dabei schlechte, ermüdende 
und schleppende theologische Vorlesungen. Ein Professor habe 
24i Jahre über 8 Kapitel des Jeremias gelesen, Tiele in 10 und 
mehr Jahren nicht 50 Lektionen gehalten. Ein anderes Gut- 
achten yersichert bei Eid und Pflicht „das von allen dootoribus 
genanter faculteten in eynem ganzen Jhare nicht zehen lectionee 
gelassen werden; und wan sie lessen, so lessen sie doch alsso, 
das wenigk frucht den, dye do zuhören, dorauss erweehset; und 
wan eyner, der in der heyligen scbrifft alhie zu leypczk studiret, 
methusalcma Jliar erlaiii^cii mochte, das itzund uumoglich ist, 
so konde er kaum lütrum ysaye ausshoren mit der weysse, als 
sye lessen, wan eyn Doctor zu lessen utf dye cathedra kompt, 
so sitzt er und kuckt auss seyner kappen und lisst, das er sich 
selber kaum hören kan ; hyrumb müssen Tihl ?on hinnen kegen 
Paiiss» Köllen und andere uniyersiteten zihen umb des willen, 
das sye alhye nicht lectiones haben**. „Also wachsen unsere 
Theologie (wie) das grass im winter.** Nur Wimpina wird als 



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IKe UmireintiUeii Leiptig and WHteiibeig im XVI. Jaltriiimdirt. t 

fleissig imd mit Erfolg lehrend unter den Theologen gCH 
rtthmt* 

Unter den Jnristen erhalten das gleiche Lob nnr Johannes 
Breitenbach nnd Br. Job. Wilde. Besonders mangelt es hier 

an würdigen Vertretern für das römische Recht. Ausserdem 
wirti Herabsetzung der Promo tioüskosten gefordert. Unter 
i>00 Guldf'ii könne jetzt niemand den Grad eines Dr. iur. 
ntriu<(|ue erlangen. Dagegen sollen die wissenschaftlichen An- 
spnkhe gesteigert werden, man habe Leute zu Baccalaureen 
des 17t istlichen Hechts gemacht, die nicht Latein reden konnten 
nnd sich kaum Jahr an einer Universität aufgehalten. Von der 
medizinischen Fakultät, die unbedeutend und ein beschauliches 
Stillleben fär sich führte, erfahren wir wenq^. Um so wichtiger 
ist die Artisten&knltät; auf je ein Mitglied der drei anderen 
Fakolt&ten werden 30 von ihr gerechnet, als Schüler oder 
Lehrer hatte wohl jedes Mitglied der anderen Fakullfiten ihr 
einmal angehört. Sie bildete eine Art Vorschule fiir die 
übrigen ; viele fungierten als Magister und Lehrer m ihr und 
standen zugleich als Schüler in einer der anderen. 

Tn ihr spalteten sidi die Magister m zwei Klassi n. in die 
der Fakultisten und die der Nichtfakultisten. Jene bildeten das 
eoncilium facultatis und entschieden dort ihre Angelegenheiten, 
sie allein bezogen ein festes Gehalt, nnd die Examenssporteln 
flössen in ihre Taschen« Diese mussten sich durch FhTat- 
nnterricht, Behausung nnd Beköstigung ron Studenten oft 
kärglich genug weiterhelfen. Und oft nahmen die Fakultisten 
ihnen auch noch diesen Erwerbszweig weg, denn die Fakul- 
tisten allein entschieden später über das Wohl und Wehe der 
Examinanden. Allgemeine Klage erhebt sich über den Eigen- 
nutz dieser Fakultisten gegenüber Ludenten und ISichtfakul- 
tisten. Es herrsche bei ihnen ,,sanctus denarius"; wer sie 
nicht grüsst mit zugesclilossf ner Hand, der falle trotz der 
besten Kenntnisse durchs Examen; giebt man ihnen den Kock, 
nehmen sie viel lieber das Hemde dazu und thun vrie der Narr, 
der, als er unter beiden wählen sollte, meinte: y^es were alles 
pejdes gut peyeynander^. Sie thun den guten armen Gesellen 
C^ch den GNbisen, ohne dass sie nicht gesengt und gebraten 
werden. Sende man einen Esel mit Geld zu ihnen ins Blzamen, 




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B Die UniTenitäten Leip«g und Wittenbei^ im XVL JahrlLondert. 

80 würde er nicht von ihnen rejideit werden etc. „Wer heutel« 
Samen zu sehen (säen) hat, der mag gut hoffnung haben." 

Auch ein Nichtfakuiüat durfte freilich einen akademischen 
Giad erteilen, aber ar gehörte nicht der Ezamenskonunissiom 
an, stand er daxnm nicht gnt mit den Eaknltisten und schmeichelte 
ihnen recht, so waren die Aussichten für seinen Ftomowenden 
nngttnstig. 

überhaupt war es den Fakultisten mit der Zeit gelungen, 
die Lehrfreiheit und Lehrgelegenheit der Nichtfakultisten auf 
alle mögliche Weise einzuschränken und ihnen den endlichen 
Eintritt in die Fakultät zu erschweren. Tyrannei und Cliquen- 
wesen herrsche in der Fakultät, man nannte sie nach ihrem 
Führer Joh. Fahh aus Donauwörth den „schwäbischen Bund^. 
Man forderte Säuberung der Fakultät von den anstössigen 
Elementen und Aufhebung der Beschränkung der Zahl ihrer 
Mitglieder auf 16. Auch noch andere Dinge wurden ihnen 
vorgeworfen, man sprach von „iren weybern und kindem, von 
den sye doch nicht yeter heyssen wollen". Imhoff, zwar selbst 
ein Faknltist, aber ganz auf gegnerischer Seite, sagt Ton einem 
aus dieser Zahl, dem Nicolaus Curia: „er lesst seyn bulschaft 
olfenberlich alle tag( und wan iss yn gelost zu yhm gehen 
und si ohern seynen tisch speyst, dass seyn geseln all sehn.'* 
Doch solche Vorwürfe wurden auch gegen viele andere erhoben, 
es war ein ganz allgemeines Übel. ,.Iss eyn CoUegium zu 
liptzig, genant das furstencollegium, iss soll das bubencollegium 
genannt werden", dadurch würden die Studenten und Magister 
▼erführt, denn „wan der apt wurffei uff liget, so spiln dy 
monch**. Hauptsächlich nach den Vorschlägen Wimpinas und 
Breitenbachs Wate nun Herzog Georg im NoTember 1602 
eine Beformation durch, doch mit gaius geringem Erfolg, es 
blieb fast alles beim AHen. 

Wenden wir uns nach dieser ekigehenden Schilderung der 
Leipziger Yerliältnisse nacli Wittenberg, um zu sehen, wie dort 
die Sachen standen. Hier zeigte sich von Anfang an der Ein- 
fluss des humanistischen Geistes. Bei früheren Errichtungen 
von r^niversitäten hatte der Papst die Eröffnungsbulle erteilt, 
hier that es Kaiser Maximilian. Es heisst in diesem Patent, 
die Pflege der Wissenschaften und der schönen latteratur sei 



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Die üiuTerntiten Leipag und Wittenbefg im XVL Jahrbimderi 9 

die Aufgabe des Kaisen; als Ziel der akademiscbea Erziehung 
wird die Aufgabe biugestellty die Jugend tttcbtig und geschickt 
zu machen für das weltliche Regiment und die Aufgaben des 
öffentlichen Lebens. 

Aber trotz des anfäDglichen grossen Zuzuges blieb die 
Frequenz in den ersten Jahren doch hinter der erwarteten 
Zahl zurück, und die Leipziger Befürchtungen schienen sich 
fürs erste nicht erfüllen zu sollen. Der aus Bologna zurück- 
gekehrte, etwas grosasprecherisclie Jurist Christoph Scheurl 
rühmte zwar Wittenberg nach, dass in ganz Italien keine 
Universität sich finde, die Wittenberg an Zahl ausgezeichneter 
Gelehrten gleich komme, aber Wittenberg lag doch zu sehr 
an den Grenzen der Kultur, um sofort zu einem Brennpunkt 
gdstigen Lebens in Deutschknd zu werden. Immerhin wirkten 
schon YOn Anfang an in ihr eine grosse Zahl tuditiger Gelehrter 
mit tönenden Namen, so in der theologischen Fakultät Stanpitz, 
Mellerstat, Trutvetter, in der philosophischen neben Anhängern 
der alten Richtung. Thumisten und Skotisten, auch namhafte 
Allhänger des Humanismus, so als einer der ersten schon 1502 
Hermann Yon dem Busche , genannt Hermannus Eusebius 
Pasiphilus. Ludwig Geiger nennt ihn den Klassiker des 
deutschen Humanismus, dessen Schriften nach Form und In- 
halt noch heute lesenswert seien. Er war 1468 in Westfalen 
geboren und entstammte einem ritterlichen Geschlechte. Seine 
erste Bildung empfing er in der berühmten Schule des Alexan- 
der Hegius in Derenter. Dann ging er über Heidelberg und 
Tübingen nach Italien, wo er sich fünf Jahre bis 1491 auf- 
hielt. Er erwarb sich dort eine gediegene Kenntnis und grosse 
Gewandheit des Latein und verfasste dort zwei Bücher Epi- 
gramme, in duuüii \ atorhuidsliebe, Begeisterung iür die neuen 
Studien und ein frommer Sinn sich äusserten. Uber Paris 
kam er 1494 nach Köln und begann nun als erster huma- 
nistischer Wanderlehrer, der Zeit und Kraft auf die Ver- 
breitung der neuen Wissenschaften verwandte, eine durch 
glänzenden Erfolg belohnte jahrelange f^ahrt durch Deutsch- 
land. 2iirgends lange verweilend, durchzog er das ganze nörd- 
liche und westliche Deutschland; über Hamm, Münster, Osna« 
brück, Bremen, Hamburg, Lübeck, Wismar kam er 1601 nach 



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10 IMe ITiuTenititw Lnpsig und Wittenberg im XVX. Jahrhandwt. 

Bostook, WO er seinen ersten Znsunmenstoae mit den Schola- 
stikern hatte. Uber Greifswald erschien er dann 1608 in 
Wittenberg, doch treffen wir ihn schon im nächsten Jahre 
wieder in Leipzig, wo er endlich für einige Jahre zur Bnhe 
kam. Neben Busch werden uns noch als Humanisten in 
Wittenberg genannt Sbrulius und Otto Beckmann. Aber auch 
hier in Wittenberg waren die humanistischen Vorlesungen nicht 
obligatorisch, noch 1508 finden wir für die Baccalaureats- und 
Magisterprüfung noch ganz die alten Leistungen vorgeschrieben. 

Auch in Leipzig begannen sich bald die ersten huma- 
nistischen Anfange zu regen, und fanden in dem hochgebildeten 
Herzog Georg einen eifrigen und verständnisvollen Förderer. 
Den kurzen Aufenthalt Petrus' Luders in Leipzig habe ich 
schon erwähnt. 1603 nahm der Herzog fiir Leipzig Hermann 
Ton dem Busche in seine Dienste, hier Terfasste dieser ein 
neues Buch Epigramme, sowie 1604 ein Lobgedicht auf Leipzig 
und ein zweites in puellas Lipsienses, was ihm Paulsen — in 
seiner Q-eschichte des gelehrten Unterrichts — besonders übel 
zu nehmen scheint, der überhaupt alle diese Männer nur als 
ein verlumptes G-esindel darzustellen beliebt. Besonders öko- 
nomisch veranlagt scheint Busch allerdings nicht geweseu zu 
sein; denn er erzählt selbst, dass er sich von den Dichtern, 
über die er lesen wollte, immer erst ein Exemplar für die Vor- 
lesung irgendwoher habe entleihen müssen. 1507 verliess er 
Leipzig und ging über "Wittenberg nach Köln. 

In demselben Jahr, in dem Buschius Leipzig verliess, trafen 
zwei andere MSnner, Lehrer und Schüleri von Frankfurt a. 
Oder her in Leipzig ein , Joh« Bhagius Aesticampianus und 
Ulhnch von Hutten. Von des letzteren Aufenthalt in Leipzig 
wissen wir so gut wie nichts, er wurde in der bairischen Na- 
tion immatrikuliert, und mms spätestens iin i'rübjMltr 1509 
LoipzijT wieder verlassen haben, da er schon im Sommer 1509 
in Greitswald wieder auftaucht. Aesticampianus, oder wie er 
eigentlich hiess, Kack aus Sommerfeld, wurde el)enfalls von 
Herzog Georg in Leipzig festgehalten. Er war 1460 geboren, 
studierte in Italien und wurde dort vom Papst mit dem 
Dichterlorbeer gekrönt , dann hielt er sich in Frankreich auf 
und kehrte um die Wende des Jahrhunderts nach Beutsch- 



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Die UmTerritKten Leipzig und Wittenberg im XVL Jabrlitmdart 11 

land zarüek und begann nun gleich Hennann Yon dem Busohe 
während eines Jahrzehntes seine Wanderfahrten durch Deutsch- 
land, überall die neuen Stadien Terbreitend. In Freiburg 

wurde er auch vom Kaiser als poeta gekrönt. Danu zog er 
über Speier, Köln. Basel, Krakau, Frankfurt a. Oder nach 
Leijjzig, von dort 1511 über Freiberg nach Wittenberg, wo er 
sich eng an Luther und Melanchthon anschloss. In Leipzig 
las er eifrig über Pünius, Lmus, Flautus, üoraz, Virgil, 
Marcianus Oapella, Cicero, Tacitus und Hieronymus und hatte 
sich bahl durch sein keckes Auftreten den Hass der gesamten 
alten Bichtang zugesogen. Alle möglichen Schwierigkeiten 
wurden ihm in den Weg gelegt, zuletzt verschlossen ihm sämt- 
liche Flaknltäten ihre Hörsäle. Als Grund wird in einem der 
Dnnkelmännerbriefe erzählt, Aesticampian habe erklärt, ein 
poeta sei mehr wert als zehn Leipziger Magister. Ein Aus- 
spruch, mit dem er, wenn man die Berichte von 1502 ver- 
gleicht, nicht so sehr Unrecht gehabt haben mag. Weiter habe 
er gesagt, so erzählt der Duakelmannbrief, die Leipziger seien 
nicht ^lagi^iter in den 7 freien Künsten, sondern ..in spptem 
peccatis mortalibus". Als er sich durch die Verweigerung der 
Auditorien in seiner Lehrthätigkeit gehindert sah , griff er in 
einer kecken Rede seine Leipziger Gkgner mit beissendem 
Spotte an, er yerglich seine Leistungen, deren er sich aller- 
dings rühmen konnte, mit ihren kläglichen und erklärte, dass 
er Leipzig freiwillig verlasse. Infolge dieser Bede wurde er 
Ton der Universität auf 10 Jahre relegiert. 

Nach diesen Vorgängen hatte Herzog Georg bei einer 
erneuten Uutersucluing der Verliältnisse seiner Leipziger Uni- 
versität Gelegenheit , sich davon zu überzeugen, dass sich hier 
trotz seiner Reformen so gut wie nichts geändert. Die Theologen 
lebton narli wie vor auswärts; duristen und Mediziner gingen 
mehr ihrer l'raxis nach, als den Vorlesungen obzuHegen; die 
Konkubinenwirtschaft stand im schönsten Flor, weil keiner ,.der 
katzen dje schellen anhangen" mochte, und die Nichtfakultisten 
klagten nach wie vor Über Zurücksetzung. Seit Aestikampians 
keckem Auftreten war die Kluft zwischen der alten und neuen 
Richtung in der philosophischen Fakultät inmier grösser ge- 
worden. Die Alten lasen vor immer leerer werdenden Bänken 




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12 X^ie Univenitiiten Leipzig und Wittenberg im XVI. Jahrhundert. 

fast nur über Thomas Ton Aquino imd seinen Haupterklärer 
Job. CapreoluS) während ein grosser Teil der jungen Magister 
in die Bahnen der Yerhassten „Poeten" eingelenkt war. Ver- 
gebens wiesen die Alten auf die Geßthrlichkeit der neuen 
Studien hin, durch welche die Studenten nur Liebesabenteuer 
und Unzucht lernten, die sie dann in jugendlicher Hitze und 
Neigung in die That umsetzten. Herzog Georg blieb trotz deiv 
artiger herzbeweglicher Klagen der neuen Richtung p^ewogen. 
Jetzt begann man auch Terenz in Leipzig zu erklärLn, und 
1514 wurden unter Leitung des jungen Maeristers Lemberger 
Komödien Yon Plautus uud Terenz auf deui ßatbause durch 
Studenten aufgeführt. Ebenso begann 1515 in Leipzig das 
intensivere Studium des Griechischen. Freilich hatte schon 
Buschius 1504 die Anfangsgründe desselben vorgetragen, aber 
über diese war man bisher in Leipzig nicht hinausgekommen. 
Jetzt, im Jahre 1515 berief der Herzog den ausgezeichneten 
Gräcisten Richard Grocus nach Leipzig. Dieser war in London 
geboren während der Begiening Heinrich VII.; er studierte 
unter Aleander in Paris, ging dann nach Loewen und Köhl 
und 1515 wegen der von Mutian ihm gerühmten Leipziger 
Bibbotliek nach Leipzig; er erschloss luer erst die Kenntuis 
des ganzen Griechisch. 1519 wurde er nach England zurück- 
berufen als Nachfolger des Erasmus an der Universität Cambrigde. 
In Leipzig wusste er sich leidlich mit den Vertretern der alten 
Bichtung zu stellen , die Herzen der jungen eroberte er sich 
im Fluge. Zu seinen Schülern gehören so bedentr^nde Männer 
wie Magister Veit Werler, Magister Helt, Oreutziger und 
Camerarius, 1517 erschien neben Grocus ein zweiter Gtäcist 
in L'eipzigy Petras Mosellanus, eigentlich P« Schade; er wurde 
in Bruttig ia der Moselgegend 1493 geboren, studierte in Köln 
und trieb schon dort griecluBche Studien, unter Oroeus Ter- 
vollkommnete er sich in diesen Studien und wusste sich schon 
neben ihra einen Kreis von Zuhörern zu verschaffen. Nach 
Grocus' Weggang wurde er sein Nachfolger in der griechischen 
Professur. Damit war mit enier gleichzeitig eintretenden 
Änderung des Studieni^lanes, in welchem jetzt auch die huma- 
nistischen Studien aufgenommen wurden, Leipzig für den 
Humanismus gewonnen. 



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JXe UniTenitiiten Leipzig and Wittenberg im XV L Jalurhundert. 13 



Wählend aber in Leipzig die Theologen und immer noch 
ein grosser nnd gerade der zünftige Teil der Philosophen an 
dem Alten festhielt^ war man in Wittenberg unter Lnthers und 

Spalatins Leitung viel radikaler vorgegangen. Ich fasse mich 
mit Absicht über diese Vorgänge in Wittenberg bedeutend 
kürzer, weil sie viel mehr bekannt sind. Hier verdrängte Luther 
rlurch das neue Testament und Augustin zuerst unter dem 
Widerstand, bald aber der allgemeinen Zustimmung seiner alten 
scholastischen Kollegen den Thomas und Aristoteles. 1517 wurde 
Aesticampian für eine „lectio Plinia" nach Wittenberg berufen. 
Am 30. März 1618 wandte sich der Kurfürst auf das Drängen 
Luthers an Beuchlin mit der Bitte, ihm einen Grädsten und 
Hebraisten zu senden. Als ersterer traf 1618 Mdanchthon, 
der Grossne£Fe Beuchlins, in Wittenberg ein. Sein Erfolg war 
ein kolossaler; er las oft Tor einem Auditorium von 500—600 
Zuhörern. Einige Monate nach Melanchthou langte auch der 
Hebraist Job. Böschenstein in Wittenberg an. dieser enttäuschte 
jedoch die auf ihn cresetzten HotVnungen sehr, er blieb nur 
zwei Monate in Wittenberg ; nach seinem J''iii tgang übernalim der 
unermüdliche Melauchthon auch seine Vorlesungen. Nun be- 
mühte man sich in Wittenberg um einen neuen Lehrer für das 
Hebräische^ ausersehen war dafür Oellarins aus Heidelberg, 
aber die Verhandlungen mit ihm zerschlugen sich, und es gelang 
Herzog Georg, Cellarius für Leipzig zu gewinnen. 

Die im Jahre 1519 zwischen Eck, Karlstadt und Luther 
in Leipzig stattgefundene Disputation übergehe ich hier auch, 
weil ihre Geschichte und Ausgang allgemem bekannt. Hosellanus 
hatte die Eröffnungsrede gehalten. Nach derselben, nachdem 
er trotz des grössten AViderstandes der Leipziger Theologen 
zum haccalaureus theol. promoviert war und S.-S. 1520 sogar 
zuiti liektor der Universität erwählt worden war. bocrann er 
sich dem JStudium des neuen Testamentes und der patristischea 
Litteratur zuzuwenden und hielt unter grossem Zulauf Vor- 
lesungen darüber. Obgleich nie ein unbedingter Anhänger 
Luthers, n&herte er sich ihm doch oft in einer für Leipzig 
nicht ang&ngigen Weise, da ja Herzog Geoig m den bitteisten 
Gegnern Lnthers gehdrte. Dieser Zwiespalt verdunkelte die 
leisten Lebenstage Hosellans, vergebens hatte er sich immer 



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X4 -L^^e UmverfiitäteD Leipzig und Wittenberg im XVI. Jahrhundert. 

wieder am eine An&te11aB|s^ in Wittenberg bemüht, es war ibm 
nicht geluü^^eij, dortlim zu gelangen. Wer weiss, ob nicht doch 
Mosellan schUesslich noch den fortwährenden Verdächtigungen 
der Leipziger Theologen bei Herzog Georg zum Opfer gefallen 
wäre, wenn er nicht 1524 am 19. April gestorben wäre. 
Melanchthou weilte an seinem Sterbebette, er schrieb darüber: 
„Sein Tod ist ein schwerer Verlust für die Wissenschaft, denn 
seine Gaben waren ausserordentlich^'. In die Hektoratsakten 
Leipzigs aber sehrieb der damalige Bektor Beuech hinter die 
Itotiz Ton semem Hinscheiden : „preter etatem in utraque lingoa 
peritiesimuSy gymnasii noetri snprema colmnna*'. 

Damit sind wir zum Abschittss gelangt; wir haben gesehen, 
wie in beiden XJniTersitäten die hnmamstische Bichtang zum 
Siege gelangte, wie sie aber auch sofort danach von der jüngeren 
Bewegung der Reformation an die zweite Stelle gedrängt wurde, 
nur mit dem einen Unterschiede : Wittenberg blühte empor, weil 
sich in ihr die neue Theologie frei entfalten durfte, rn Leipzii^ 
legten die Anbänger des Neuen, entmutigt durch den Tod ihres 
Jß'übrers, das griechische neue Testament aus der Hand und 
wandten sich anderen Wissenschaften, der Jurisprudenz und 
Medizin zu, die alte Theologie war ihres gefahrlichen Gegners 
ledig, aber ihre Hörsäle füllten sich deshalb nicht wieder« 
Erst nach Herzog Gkorgs Tode führte Camerarius eine neue 
Blttte der klassischen Stadien in Leipzig herbei, und erst nach 
dem Einzug der Beformation begann Leipzig sidi langsam 
wieder zu heben, stand aber bis in die Mitte des Jahrhunderts 
hinter Wittenberg weit zurück. 

Es ist eine grosse Zeit, die wir eben haben an uns vor- 
überziehen lassen, gross und ychüu! Und wohlherechtigl war 
der jubelnde Zuruf ihres eigenartigsten und vielseitigsten Sohnes, 
den D. Strauss in seinem köstlichen Buch mit Kecht dem 
deutschen Volk als einen Heros vor die Seele gestellt hat, als 
er seiner Zeit zurief: Jahrhundert, die Stadien blühen, es 
ist eine Lust zu leben!" 



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IL 



Die Verwaltung und Organisation der 
. Universitäteu Leipzig und Wittenberg 
licicli dem Codex Augusteus. 



Die Gründungen der beiden UnivenitateD Leipzig und 
Wittenberg sind dnrch einen Zeitraum von beinahe 100 Jabren 

von einander getrennt. Die Stiftung der Universität Leipzig 
im Jahre 1409 fällt in die erste Epoche deutscher Universitäts- 
gründuiiizen . die Ursachen für sie sind bekannt. 40 Magister 
und Doktoren uehst 400 Baccalaureen und Studenten wandten 
sich 1409 TOn Prag nach Leipzig, sie bildeten den Grundstock 
der neuen üniTeisität. Die Organisation derselben beruhte noch 
ganz und gar auf dem Prinzip der Eintailnng nach Nationen. 
AndeiB bei der 1602 in Wittenberg begründeten Unirerai- 
tftt, deren Stiftong in die zweite Epoche der dentedien Uni- 
▼enit&tegründnngen fSllt Die Oigamsation dieser Emesti- 
nischen UniTersität bemhte ganz auf modemer Grundlage, 
auf den vier Fakultäten; das Einteilungsprinzip nach Nationen 
hat iuer uie bestandeii. 

Schon aus dem hier Gesagten ergiebt sich, dass die Organi- 
sation und die Verwaltung der b» id* n Universitäten m;m('!i(Tlei 
Ai)\veichungen von einander zeigen müssen. Dazu kommt noch, 
dass beide bis 1547 verschiedenen Territorien angehörten. 
Dennoch aber sind die AbweichuDgen nicht allzugross, wenig* 
stona tieton sie im Codex Augusteus nicht sehr in den Yorder- 



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16 Dit YerwAltimg der Univenttaten Leipoig u. Wittenbefg. 

gmnd, besonders woU deshalb, weil ans dem XV. und auch 
noch aus dem XYI. Jahrhundert nicht allzu reichliches Material 
in ihm Torhanden ist, das vielmehr erst mit Toller Wucht 
am Ausgang des XYI. und dann im XYIL Jahrhundert 
einsetzt. 

Wie schon gesagt, beruhte die Organisation der 1409 ge- 
stifteten Universität Leipzig ganz auf dem Prinzip der Nationen, 
während Wittenberg nach Fakultäten allein organisiert war. 
Die Universität Leipzig wurde 1409 in vier Nationen gei^liedert, 
die Meissner, Sachsen, Baiern und Polen. Diese standen sich 
bei allen Konzilien der Uniyersität, Konventen etc. volikommen 
gleichberechtigt gegenüber. Nicht nur die Studenten, sondern 
auch die Docenten rangierten sich in diese Nationen ein. 
Jede Nation stellte eine bestimmte Anzahl Magister^) für das 
Collegimn minus. Aus den Nationen wurde der Beihe nach 
der Rektor gewählt. Ebenso bestellte jede Nation eines ihrer 
Mitglieder als Oonciliarius oder Assessor des Bektors und je 
drei ihrer ältesten, vornehmsten und erfahrensten Personen zum 
Concilium perpetuum. ^) Ausserdem hatte aus jeder Nation 
ein treuer Mann einen der Schlüssel zu dem Gewölbe, in dem 
der Kasten mit den Einnahmen der Universität stand. ^) 

An der Spitze jeder Nation steht der Senior derselben, 
er führt die Rechnungen seiner Nation und übergiebt diese 
nach der Verordnung Yom 1. Januar 1580 schriftlich den 
Deputierten des Concilium publicum und den Kommissaren 
des Kurfürsten.^) Später, im Jahre 1616, sehen wir, dass 
diese Rechnung nur dem Bektor suae nationis von dem Senior 
Torgelegt werden braucht, die dann Ton dort an das Ober- 
konsistorium gesandt wird. Auf diese Weise bleiben die Yer- 
mögensYerhältnisse jeder Nation ein Geheimnis derselben. 
Diese letztere licbtiiumung, dass die Reclinuug der Naüon nur 
dem Rektor suae nationis vorgelegt werden brauchte, war auf 
eine Beschwerde der Nationen getroffen worden, nachdem vorher 



1) Cod. Aug. I. p. 905 f. 
•) 0. A 1. p. 728 f. 
«) C. A I. p. 769 f. 
«) 0. A I. p. 760 f. 



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Die VerwAltu^ der UniTwntitteii Leipzig und Wittenberg. 17 



Torf&gt worden war, daas diese Bechnimgen jährlich dem Bektor 
und den Dekanen vorgelegt werden sollten.*) 

In "Wittenberg traten an die Stelle der hier fehlenden 
Nationen ganz und gar die Fakultäten, in sie gliedern sich 
Studenten und Docenten. Hier stehen die Dekane dem Rektor 
bei dpr Leituner der Universität zur Seite, wie dort die Ab- 
geordneten der JSationen. Hier haben die Dekane die Schlüssel 
zu dem JBii&nahmekasten der Uni?ei8ität, sie führen die Ein- 
nahmen und Ausgaben derselben.^ Der Kektor und die 
Dekane haben hier die Expedition aller geistlichen imd welt- 
lichen UniTersitätssachen. ^ 

Anch in Leipzig sind von Anbog an Fakultäten wohl 
Torhanden gewesen, wenn auch noch nicht vollkommen ans* 
gebildet ; so wird 1409 von der facultas artium geredet, ") aber 
sie haben nicht den Einfluss auf die äussere Verwaltung der 
Universität gehabt wie in AVuttenberg, weil eben in Leipzig sie 
in dieser Hinsicht durch die Nationen ersetzt wurden. — Alles 
übrige über die innere Organisation und die Aulgaben der 
Fakultäten siehe unten. 

An der Spitze der Universität steht der Bektor, er wird 
für die Dauer eines halben Jahres aus den Nationen der Reihe 
nach und durch dieselben gewählt, in Wittenberg aus den 
Fakultäten. Er darf nicht unter 35 Jahr alt sein, er muss 
mindestens ein Doktor, Lioentiat oder Magister sein und einer 
Fakultät angehören , möglichst soll er ein F^fessor der XJni- 
Tsisit&t sein. Er soll sich auszeichnen durch Gbttesfhreht, 
Oeschicklichkeit, guten Verstand, ehrbares, standhaftes Gemüt 
und eingezogenen christUcheu Wandel. Auch die Eigenschaft 
eines Professors als Leipziger Bürger schliesst denselben nicht 
vor dem Rektorate aus. aber auch hohe Standesperson tu können 
zum Rektor gewählt werden. Tn letzterem Falle wd diesem 
der gewesene Rektor oder ein anderer Professor als Vizerektor 
beigegeben. ^) In Wittenberg erfolgt die Wahl in der Sakristei 



») C. A. I. p. 916 f. u. p. 921. 
•) C. A. I. p. Ibd f. 
^ 0. A. Z. p. 968 ffl 
•) 0. A. I. p. 906 f. 
•) 0. A. I. p. 716«. 
BrttohmSlleri Beitittga. 



8 



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18 Die Verwaltnxig der Umvemtaiea hexpag imd Wittenberg. 

der ScbloBskirche, der Rektor rnnss dabei geloben, sein Amt 
nach bestem Vermögen za führen nnd der Universität Nutzen 
zii fördern. 

' Der Bektor ist der ^Hanpt- und Generalinspektor" der 
Universität y er hat die Oberanf sieht über den Eiskus der 
Uniyersität und ihre sämtlichen Institute , Kollegien, Stipen- 
dium etc., die er mindestens einmal jährlich visitieren muss. 
Er hat die Expedition aller geistlichen und weltlichen L niversi- 
tätssachen, er hat über die iura, privilegia. immunitates und 
bona der Universität zu wachen. Au ihn gehen die kurfürst- 
lichen Befehle etc. ein, die er der ganzen Universitiit mitzuteilen 
hat. Er unterschreibt und uutersiegelt mit dem Universitäts- 
stempel die im Namen der Universität abgesandten Berichte, 
er hat die Aufsicht über die Disziplin der Professoren und 
Studenten, er hat dafür zu sorgen, dass fttr die Kinder ver- 
storbener Professoren Vormünder bestellt werden, und dass 
sich bei der Wiederrerheiratung der Witwen diese mit den 
Kindern ordnungsmassig auseinandersetzeu. 

Der nächsthöchste Beamte nach dem Rektor ist an der 
Universität dem Kaugo nach der Kanzler. De facto nimmt er 
fast eine dem Rektor in mancher Hinsicht übergeordnete 
Stellung ein. Er ist eine Art KontrollheHiuter für den Rektor 
und die ganze Universität. Seine Funktionen sind nicht scharf 
begrenzt und gestatten ihm, überall hin seinen EinÜuss geltend 
zu machen. 

Der Kanzler muss aus der theologischen Fakultät ge- 
nommen werden, sein Amt ist ein lebenslängliches. Er wacht 
über die Fdrilegien, Immunitäten und Freiheiten der Uni- 
Tersität und die Inndialtung der Universifötsstatuten, wie über 
die Einigkeit unter den Professoren in der Lehre etc. !Mxt 
Hilfe des Bektors und Senates hat er iilles Statutenwidrige 
abzustellen; Zuwiderhandelnde kann er vor sich laden und er- 
mahnen. Hilft diese Ermahnung nichts, so hat er mit Rektor 
und Senat das Nötige zu verfügen. Er hat auch darauf zu 
sehen, dass bei den Examina kerne Unordnungen vorkommen, 
oder die akademischen Grrade Unwürdigen gegeben werden. 

1») 0. A. Lp, ms. a. p. 91Ö iL 



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Die Verwaltong der üniTenii&ten Leipzig und Wittenberg. 19 



Er bat ein Yeizachnis sämtlicher VorlesnngsTenänimiisse seitens 
der Professoren zu fahren nnd darüber den kurfuistlichen 
perpetuierlichen Kommissaren Bericht zu erstatten. Gegebenen* 
falls kanD er sogar den Rektor und den Senat vor sich laden 

und vermaimeu u.ud , wenn dies nichts hilft, seine Beschwerde 
über dieselben an die kurfürstlichen perpetuierlichen Kommis- 
sare oder den Kurfürsten selbst einreichen. ^ ^) 

Ein dritter Universitätsbeamter ist der Syndikus. Über 
seine Stellung und sein Amt lässt sich aus dem Codex Au- 
gostens kein klares Bild geiHnnen, da wir nur zwei kurze Be- 
merkungen über ihn haben. Nach einer Stelle aus einem 
Visitationsdekret der Universität Leipzig Tom Jahre 1616^*) 
nnterschveibt er mit dem Bektor und den Tier Dekanen die 
in der üniTersität Namen abgesandten Berichte und mit den 
Dekanen der drei oberen Fakultäten die Eechnung des Eiskns. 
Nach dem Visitationsdekret der üniyersität Wittenberg vom 
Jahr 1624 erledigt er mit dem liektor allein die geriiigeren 
UniTersitätssachen. 

Um den Rektor in seiner Amtsführung zu unterstützen, 
erhält dieser, wie schon oben erwähnt worden ist, aus jeder 
Nation einen Conciliarius oder Assessor zugeordnet. Mit Vor- 
wissen und Rat dieser vier Assessoren — in Wittenberg mit 
den Tier Dekanen — hat der Rektor bei allen wichtigen An- 
gelegenheiten zu handeln. Über ihre gemeinsame Thätigkeit 
wird ein Protokoll geführt und darttber dem Ooncilium pnbli* 
com referiert. Bei bedenklichen Angelegenheiten ebenso bei 
allem, was Güter, Einkünfte und Gerechtsame der ÜniTersität 
betrifft, dOrfen der Rektor und seine Assessoren nicht allein 
handeln ; sondern müssen sich an das Ooncilium perpetuum 
wenden . doch soll dieses uicht mit Geringfügigkeiten bemülit 
werden. 

Dieses Ooncilium perpetuum, publicum, oder der Senat 
setzt sich nach den Ordnungen Tom 1. Januar 1580 folgender- 



") C. A. I. p. 716 u. p. 762 ff. Verordniingeii yom 1. Jan. 1680. 
»•) a A. I. p. W6C 
>«) C. A L p. 969 ff. 

^) C. A. 1. p. 788 £ Verordnungen TOm 1. Jan. 1680. 

2» 



20 IHe y«nraltaDg der UaiTenitiiten Leipzig ond Witteobeig. 

massen zusamnien : 1. Aus je drei Yeitretem der Tier Na- 
tionen, also im ganzen zwölf. 2. Ans dem Rektor, dem Kanzler, 

dem Ordinarius der Juristenfakultät und den Dekanen der 
drei oberen Fakultäten. Dieses Concilium perpetuum hat neben 
dem Rektor und dem Kanzler das Ganze zu leiten. In allen 
wichtigen Angelegenheiten hnbea sich der Rektor und seine 
Assessoren, wie schon bemerkt, au dieses zu wenden. Das 
Concilium ist möglichst an solchen Tagen zu berufen, an denen 
nicht gelesen wird; mindestens rnuss jedocli einmal und zwar 
am Ende jedes Monats eine Sitztmg desselben stattfinden, in 
der ihm ttber den Monat Bericht erstattet mrd. Der Personen» 
stand des Conciliums soll möglichst wenig verändert werden.^^) 
Sind die Angelegenheiten so wichtig und schwerwiegend, 
dass auch das Concilium perpetunm sie nicht sdlein zu ent- 
scheiden wagt, so muss das Concilium der ganzen Universität 
berufen werden, jedoch soll dies nux möglichst selten ge- 
schehen. 

Im Anschluss hieran sollen noch einige ünivei sitiitsunter- 
beamte erwälint werden. 1536 in der Fundation der Universität 
Wittenberg werden ein Notar und zwei Pedelle genannt, sie werden 
Ton der Universität mit Stimmenmehrheit gewählt und können 
auch von ihr wieder entlassen werden, ebenso wie die Beamten 
der einzelnen UniTersitätsinstitnte z. B. der Ökonom der Korn- 
mimität. Der Notar fährt bei den Beratungen des Rektors 
mit seinen Assessoren das Protokoll eto. Als Gehalt eriiftlt 
er jähriich 50 Gulden, die beiden Pedelle je 20 Ghdden, die 
ihnen in 4 Raten ausgezahlt werden. Ebenso wird 1536 ein 
Verwalter liir die Uuivorsitätstjiiikänfte bestimmt, ihn ernennt 
ebenfalls die Universität; sein Gehalt sind 80 (4ulden.^') Ausser- 
dem haben diese Beamten, wie 1716 verfügt wird, Freiheit von 
der Generalaccise.^*) 

Ist uns schon im Kanzler der Universität ein Beamter 
entgegengetreten, der gewissermassen nur zur Kontrolle der 
eigentlichen Umversitätsoigaoe bestimmt war, der aber doch 

") C. A. I. p. 722 f. 
C. A. I. p. 722 f. 
C. A. L p. 965 ff. u. p. 969 £f. 
0. A. L p. STO-T9. 



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Die YerwAltuag der UniTenit&teo heapng und Wittenberg. f\ 



als Mitglied der theologischen Fakultät selbst zum Gkuazen der 
UniTersitat gehörte, so gab es ausser ihm noch 3 TollstSndig 
anaserhalb des Umyersitätsverbandes stehende Behörden, denen 
eine Konkolle der üniTorsität zostand, und die dem ganzen 
Verwaltongsorgamsmus der Uniyersität übergeordnet waren. 
Es sind dies 1) das Oberkonsistorium in Dresden und 2) die 
perpetuierlichen Kommissare des Kurfürsten. 

Das Oberkonsistorium hat nach den Ordnnnp^en des Kur- 
farsten August vom 1. Januar 1580 sein Augeiiinerk besonders 
auf die Erhaltung der remen und unverfälschten Lehre in 
beiden Universitäten zu richten. Ausserdem hat es noch die 
Oberaufsicht über die beiden Stipendien in Leipzig und Witten- 
berg, damit dieselben mit qualifizierten Personen besetzt und 
die Ordnung dort erhalten bleibe^ dass die Wohnungen baulich 
bleiben, und die Berichte Über die daselbst abgehaltenen 
Quartalsezamen ihm regelmässig eingereicht werden. Ausser- 
dem sollen sie die Präceptoren und Schüler bei ihren yer- 
schiedenen Anliegen unterstützen, etc. An das Oberkonsistorium 
gehen auch die Beschwerden der Stipendiaten gegen Rektor, 
Professoren und Präceptoren, doch müssen solche von dem 
.»ma^rister domus" und den Superinteudenteii des iStipeudiums 
nütunterzeichnet sein, ausser wenn sich die Beschwerden gegen 
diese letzteren selbst richten.^*) 

In den Ordnungen vom 1. Januar 1580 werden auch zum 
erstenmal die peipetuierlichen Kommissare des Kurfürsten er- 
wähnt^ welche neben dem Kanzler dazu eingesetzt sind, um 
darauf zu sehen, dass die kurfürstlichen Verordnungen auf den 
üniyersit&ten auch wirklich innegehalten werden. Sie sollen 
zu diesem Zweck wenigstens einmal jährlich die üniTersität 
visitieren und darüber schriftlich an den Kurfürsten berichten. 
Die beiden Küminiösaie waren der Oberhofrichter uiul ein 
adliger Assessor des Hofgerichtes. Sie berufen jährlich einmal 
den Kanzler, Kektor und das Concilium perpetuum vor sich 
und befragen diese, ob den statutis nachgelebt werde, ob irgend 
welcher Zank oder Streit im Inneren oder nach aussen bestehe, 
etc. Liegen Streitigkeiten vor, so sollen die Kommissare diese 



^) C. A. I. p. 642, M6. 




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33 Die VerwaltuDg der UiÜTenitäteik Leipcig und Wittenberg. 

beizulegen sucben ; haben sie damit aber keinen Erfolg, so sollen 
sie mit dem Kanzler darüber an den Kurfürsten berichten. 
Ausserdem baben sie die Jahresreclumngen der XJniTersitat» 
Kollegien, Fakultäten und Stipendien zu prüfen, unnötige Aus- ^ 
gaben nicht zu dulden und Einnahmen nicht veisäumen zu 
lassen.'^) Freilich gab es trotz ihres Namens keineswegs immer ;^ 
peqjetuierliche Kommissare für die Universitäten, so wird 1614 > 
und 1616 ausdrücklich bemerkt, dass der Kurfürst solche noch : 
nicht verordnet habe, weil er hoffe, dass die Universitäten auch 
ohne sie den Visitationsordnun^^en nachleben würden.'®*) -r 

Uber die Einkünfte und das Vermögen der Universitäten j 
werden wir durch den Codex Augusteus nur wenig unterrichtet. 
1409 werden für die Universität Leipzig als ein „Stipendium 
seu salarium*^ für die 20 Magister zu Gkbältem 600 fi. jährlich :{ 
Ton der kurfürstlichen Kammer ausgeworfen.^*) 1543 werden ^ 
dieser Summe durch Herzog Horitz weitere 2000 Gulden jähr- an 
lieh hinzugefügt aus erledigten geistlichen Gütern. Ausserdem :^ 
eriiält die Universität das Paulinerkloster geschenkt.*') Witten- zm 
berg braucht nach der Fundation vom Jahre 1636 an Ge- 
hältem 3795 Gulden jährlich, dafür erhält die Universität die >>; 
Einkünfte der Stiftskirche in Wittenberg mit einer jährlichen . ^ 
Einnahme von 2560 Gulden 1 Groschen. Um das Ueüzit 7ai ^ 
decken erhält die Universität dann noch jährlich 500 Gulden 
aus den Klöstern des Kurfürstentums, 700 aus denen Thüringens, 
und 700 aus den Meissnischen. Mit den noch weiteren Ein-^jj^ 
nahmen der Universität aus Promotionen, der Vermietung derj;^^^ 
Koliegienwohnungen etc^ soll sie die übrigen Ausgaben selbsij^^ 
decken und besonders die Kollegiengebäude baulich erhalten.^'^),^^^ 

Häufig sind die Klagen der XJmyersitäten über nicht ge- 
zahlte Zinsen etc. und die Versprechungen der Landesherren,« , 
zu ihrer Eintreibung behilflich zu sein. Manchmal freilicb^^ 
werden auch die Universitäten mit diesen Klagen abge wiesei, ^ 

^) C. A. I. p. 479, 721 flf. ' ^ 

C. A. I. p. 916 fiL ^ 

"*) G. A. I. p. 905 f. Natt 

0. A. I. p. 14. " 

•«) C. A. I. p. 9fi6ff. f^J>. 

C. A. L p. 956ff. ^^P. 



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Die Yerwaltang der üniyerntaten Leipsig und Wittenberg. 28 



und ihnen geraten, sich selbet besser nm die Eintreibung der 
Zinsen nnd Gefalle zu bekümmern. In der Absicht^ die UniTer- 
sit&t bei ibren Einkünften zu erhalten, sind auch zwei Ver- 
ordnungen Kurfürst Augusts und Kurförst Johann Gteorgs IL^^) 
erlassen; diese bestimmen^ dass für ümyersit&ten Zinse und 
LeistuDgen erst als verjährt zu betrachten sind, wenn sie 40 
Jahre lang nicht erhoben oder geleistet worden sind, während 
sonst nach sächsischem Recht 30 Jahre hierzu genügten. Die 
zweite VerfügUDg besagte, dass bei "Rnukerotten die Zinsen der 
Kirchen, Universitäten etc. eher gezahlt werden sollten, als 
die Kapitalien der anderen Gläubiger gedeckt wären. 

Die Schlüssel zu dem Kasten mit den Einnahmen der 
üniTersität haben in Leipzig 1680, wie wir schon gesehen 
haben, 4 Vertreter der Nationen, in Wittenberg die 4 Dekane, 
sie verwalten ein Jahr lang die Einnahmen und Ausgaben und 
legen am Schluss den kurfürstlichen Kommissaren und den 
Delegierten des Concilium publicum Rechnung. Kopien der 
Rechnungen werden jährlich an die kurfürstliche Renterei ein- 
gesandt.'^') 1614 findet sich insofern eine Änderung hierin in 
Wittenberg, als vou den jetzt vorhandenen 5 Schlüsseln einen 
der Rektor, zwei die Dekane und zwei die Senioren der Fakul- 
täten haben, welchen letzteren jetzt ein Anteil an der Ver- 
waltung des Uniyersitätsfiskus eingeräumt ist, wohl um durch 
sie ein stabileres Element in diese Verwaltung zu bringen, 
als durch die jährlich wechsehiden Dekane allein möglich war. 
Jetzt liegen auch die Rechnungen jährlich 8 Tage für die ganze 
üniTersitat zur Einsichtnahme aus. Sie werden dann in pleno 
consensn approbiert, von dem Rektor, den Dekanen, Senioren 
und dem Notar unterschrieben, mit dem TTniTersitStssiegel 
untersiegelt und der kurfürstlichen Renterei eingesandt.-*^) Für 
Leipzig wird 1624 von Kurfürst Johann Georg I. verordnet, 
dass der Rektor vor Weihnacbt(m alle Rechnungen der Ge- 
samtheit der Professoren vorlegen, sii von ihm u rektifizieren 
und untersclireiben lassen soll, worauf ein Exemplar davon an 
das Oberkonsistorium und eins an die kurfürstliche Renterei 



C. A L p. 85 und 298. 
•») C, A. L p. 7211, 78» f. 
C. A. 1. p. 968 f. 




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94 ^ Yerwaltaog der UniTenit&iea Leipag und Wittenberg. 

eingesandt wird.^*) Dieselbe BestimmuDg findet sich 1668 für 
Wittenberg, nur dass jetzt die Eecbnungen um Martini fertig» 
gestellt und zuerst von den Senioren und Dekanen, dann tob 
allen Flrofessoren durchgesehen werden müssen, worauf sie im 
Beisein aller Professoren zu justifizieren sind.'*^) 

Nadidem wir so den Verwaltungsappazat der üniversität, 
wie er sich aus dem Codex Augusteus darstellen ISsst, kennen 
gelernt haben, wollen wir noch einen kurzen Blick auf das 
werfen, was yviv aus dem Codex Aiigusteuti iiber die StelluDg 
der Universität zu dem Oberhofgericht und überhaupt als 
Korporation nach aussen, wie über die Universitätsgerichts- 
barkeit erfahren können. 

Alle an der UniTersität Leipzig Studierende stehen nach 
einem Eeskript Kurfttrsts Christian I. yom 22. August 1590, 
auch wenn sie an einem anderen Orte ein Vergehen yerübt 
haben, unter der Jurisdiktion der UniTersität und sind an diese 
zum Verhör und Bestrafung auszuliefern.*^) Auch im Falle 
eines Totschlages hat die UniTersität die Jurisdiktion über bei 
ihr immatrikulierte Studenten, nicht der Bat der Stadt 
Leipzig, der sich z. B. 1649 das peinliche Halsgericht über 
einen Studenten angemasst hat.^^) Duck soll m tnivm solchen 
Fall die Universität mit Ernst vorgehen, ihr Urteil an den 
Kurfürsten einsenden und seinen Bescheid darüber abwarten. 
Bei izei iugerr n Injurien und Beleidigungen steht die Entscheidung 
ganz und irar dem ilektor und dem Ooncilium academicum zu. 
Ausserhalb der Universität aber bleibt die Untersuchung in 
diesem Fall der Obrigkeit des Ortes, wo der Delinquent ergriffen 
worden ist^^) Einer Appellation Tom Bektor an das Oberhof- 
gericht hat sich der Rektor zu fägen, wie überhaupt das Corpus 
Urdversitatis als Gkrnzes unter dem Oberiiofgericht steht, 
während die einzelnen UniTersitätSTerwandten nur in ganz be- 
stimmten Fällen unter demselben stehen.'^) Doch wird 1680 

" ») C. A. I. p. 969 ff. 
**) C. A. I. p. 981 £f. 

C. A. I. p. 911. 
•*) C. A, I. p. 929 f. 
•») G A. 1. p. 927. 
**) C. A. I. p. 1801. 

C. A L p. 9töf.» 913 VL 915. 



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lUe Verwaltimg der Umyerntäten Leipzig und Wittenberg. 25 



den Studenten in Disziplinarsachen das Appellationsrecht gegen 
den Rektor und das Oonoilium academicum wegen Miflsbianchs 
genommen.^*) 

Häufig waren auch die Beibereien zwischen dem Bat nnd 
der Universität Leipzig, wobei die üniTersität die Zugehörigkeit 
ihrer juristischen Mitglieder znm Oberhofgericht ungebShrlich 
ausnutzte. Hiergegen erliess Kurfürst Johann Qeorg II. 1661 

eine Verordnung, wonach die Assessoren des Oberliofgerichts, 
die Universitätsmitglieder sind, nicht ohne die übrigen Älit- 
glieder des Oberhofgerichtes in Sachen der Universität wider 
den Rat und die Stadtgerichte Entscheidungen treüen dürfen. 
Zugleich wird i'in anderer Streitpunkt zwischen beiden ge- 
schlichtet: stirbt nämlich ein Universitätsverwandter in einem 
Börgerhause, so erhält der Bat das Hausgeräte^ ja wenn kein 
Erbe vorhanden ist, die ganze Hinterlassenschf^t, nicht die 
Universität.'^) 

Nachdem wir so die GrUedenmg und Verwaltung der 
Universitäten im allgemeinen und ihre Stellung als Korporationen 
nach aussen untersucht haben , gehen wir jetzt näher auf das 

innere Leben und die Aufgaben der Universitäten , besonders 
aui die i'\i.kul litten, das Amt und die Stellung der Professoren, 
dieUniversitätsinstitute und die Lebenshaltung der Studenten ein. 

Wie schon oben erwähnt worden ist, sind 1409 in Leipzig 
P'akultKten vorhanden gewesen, doch waren sie noch nicht voll- 
ständig ausgestaltet. So wird zwar eine facultas artium erwähnt, 
im übrigen gliedert sich aber der Lehrkörper von 20 Magistern 
in ein Collegium majus oder Principum und in ein OoUegium 
minus. In dem Collegium majus waren 12 Magister, worunter 
ein Magister sacrae Theologiae sein musste; in dem OoUegium 
minus waren 8 Magister,'*) 

In Wittenberg waren die Fakultäten von Anfang an fest 
ausgebildet ; bis wann sie sich in Leipzig vollständig ausgestaltet 
hab» Ii . geht aus dem Codex August* us nicht hervor. Feste 
Bestimmungen finden wir über sie zuerst in den Ordnungen 
Kurfürst Augusts vom 1. Januar 15Ö0. 



••) c. A. I p. m 

C. A. L p. 240-241. 
C. A, L p. 906 t 





S6 Die Verwaltang der UniTenitilteii Leipzig und Wittenberg. 



An der Spitze jeder Fakultät steht der Dekan. Die Dekane 
werden in Wittenberg zugleich mit dem Uektor in der Sakrietei 
der Schlosskirche erwählt. Der Dekan nimmt in seiner Faknli».t 
die erste Stelle ein, führt das Siegel der Fakultät, unterzeichnet 

alle im Namen der Fakultät ausgehenden Berichte und teilt 

die kurfiirsilicheii Verorduuiigen an die Fakultät dieser mit. 
Alle l'iii likatioDen „per intimatioiiem aut orationem", die von 
seiner Fakultät ausgehen, hat der Dekan zu verfassen, ebenso 
die im Namen des Rektors ausgehenden ,Jntimationen'*. die 
fidch auf seine Fakultät beziehen, ausser, wenn der Rektor selbst 
dieser Fakultät angehört. Weiter hat der Dekan den Dispu* 
tationen seiner Fakultät beizuwohnen, ihm müssen alle Professoren 
seiner Fakultät ihre Disputationen und Scripta vor der Fuhli- 
kation zur Zensur übergehen. Kurz, die Dekane haben die 
Aufsicht über alle Lektionen, Disputationen und Flromotionen 
ihrer Fakultät Die Stellung der Dekane in der GcsamtTer- 
waltung der Universität haben wir mm Teil schon besprochen. 
Mit dem Rektor haben sie die Inspektion über die Kommunitäten 
und Druckereien, über die Kollegia und die Privatpräceptoren 
der Studenten. 1616 halien auch die Dekane der H oberen 
Fakultäten in Leipzig das Recht erlangt — wahrscheinlich durch 
Analogie mit Wittenberg — die Rechnung des UniTersitäts- 
fiskus mit zu unterschreiben. 

Uber die Wahl zum Dekan erfahren wir aus dem Codex 
Augusteus nichts Erschöpfendes. In der medizinischen und 
juristischen Fakultät ist 1616 das Amt des Dekans lebens* 
länglich. In der theologischen Fakultät geht nach den Ord- 
nungen yom 1. Januar 1580 das Dekanat „circulariter^ auf die 
Dauer yon einem Jahr unter den Fakultätsgenossen um ; auch 
der Kanzler kann, wenn ihn die Reihe trifft, zugleich theologischer 
Dekan büin. In der philosophischen Fakultät ist. wie wir an 
derselben Stelle hören, das Dekanat nicht nur auf die rrofessoren 
beschränkt. Jedoch darf der Dekan nicht unter 30 Jahrp alt 
sein utkI muss geeignet sein, den ganzen „cursus studiorum" 
seiner Fakultät überwachen zu können. Er hat die ankommenden 
neuen Scholaren zu prüfen und ihnen einen Frivatpräceptor 
und ihre Lektionen, die sie hören aollen, anzuweisen. Ausser- 
dem hat ei die Aufgabe, die Historien der Lande in politischer 





Die Verwaltiing der UniTerntaten Leipag und Wittenberg. 27 



und religiöser Hinsiclit fleissig zu registrieren und za be- 
schreiben.'^ 

Im Anschlttss hieran gebe ich nooh einige allgemeine Be- 
stimmimgen über die Promotionen in den drei oberen Fakul- 
täten und über Examina sowie über BÜchercensnr. In den 

OrdDimgeu vom 1. Januar 1580 wird verfügt, dass die Unkosteu 
bei den Promotionen, über deren Höhe oft geklagt wird, nicht 
80 hoch sein soUeu. Fenier soll die Reihenfolge der Grade 
streng emgehaiten und keine l^ntüchtigen promoviert werden. 
Der Kanzler besonders soll daxauf Acht geben, dass die Examina 
mit Fleiss abgehalten werden.*^) 1624 wird verordnet, dass 
die unbekannten Kandidaten zu den Examina Geburtsbriefe 
Torzeigen sollen,^^) und 1716 auch Zeugnisse, wo sie studiert 
und was für KoIIegia sie angehört hatten/^) 

1680 hören wir auch in den oft erwähnten Ordnungen 
genaue Vorschriften über die prandia, welche die PromoTenden 
bei ihrer Promotion zu geben hatten. Ein Licentiat hat da- 
nach in allen Pakultäten nur die Doktoren seiner Fakultät ein- 
zuladen. Für einen Doktor kommen dazu noch die Professoren 
der ganzen Fakultät, das Concilium perpetuum und der regierende 
Rat der Stadt. Tat jedoch nur ein Kandidat vorhanden, auf 
den nun die Kosten des Schmauses allein fallen, so hat er nur 
die Professoren seiner Fakultät, den Rektor und den Kanzler 
zu laden.**) 

Die erste Bestimmung über Büchercensur im Codex 
Augusteus stammt aus dem Jahre 1562>*) Nach ihr muss ein 
Buch, ehe es erscheinen darf, von beiden UniYersitaten geprüft 
und für christlich und tüchtig approbiert worden sein. Eben- 
so wird 1571**) ausdrücklich bestimmt^ dass die Bücher Tor 
ihrem Erscheinen dem Rektor und den Professoren beider Uni- 
versitäten vorgelegen haben müssen. 16b8 sehen wir dauu, dass 

«•) C. A. I. p. 723. 963 ff„ 916 f,, 921. 
*•) C. A. I. p. 731 ft. 

C. A. I. p. 969. 

C. A. 1. p. 378. 
♦») C. A. I. p. 738 f. 



♦*) C. A. I. p. 406 
*•) C. A. L p. 409. 
C. A. I. p. 961. 




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38 Die V«rw«ltaiig der UniTenitäten Leipzig und Wittenberg. 

die Censur je nach den Wissensgebieten, denen das zu censierende 
Buch angehört, Sache der betreffenden Fakultät ist, wobei wahr- 
scheinlich der Dekan die Verantwortung hatte. Wahrscheinlich 
wird auch schon hiennit die den Buchhandel furchtbar er- 
schwerende Bestimmiing in Wegfall gekommen sein, dass die 
Bücher der Censur beider üniTersitäten unterliegen mussten. 
Kkr bestätigt werden diese beiden Vermutungen dann erst in 
dem Mandat König Friedrich Augusts vom 24. A|)nl 1717*'), 
nach der die BuciiJrucker schwören müssen, keiu Jiuch ohne 
Vor wissen und die Unterschrift des Dekaus der betretenden 
Fakultät in Leipzig oder Witts iilterg drucken lassen zu wollen. 

Die philosophische oder Artistenfakultät bildete eine Art 
Vorbereitungsstufe für die drei oberen Fakultäten, die theo- 
logische, juristische und medizinische. Ihr musste jeder Stud^t 
erst angehört haben» ehe er in eine der drei oberen eintreten 
konnte, daher muss die Artistenfakultät in der Betrachtung 
der Tier Fakultäten auch vorangesteUt werden. Nach der 
Fundation der Universität Wittenberg vom Jahre 1536 sind in 
der dortigen philosophischen Fakultät elf Docenten. Von diesen 
lesen wücheDlUcIi vier Tage je eine Stunde, nämlich am Montag, 
Dienstag, Donnerstag und Freitag, der erste: Hebräisch, der 
zweite: Griechisch, der dritte: Foetika, der vierte : Xtreuz und 
Grammatik. Zwei Legenten lesen täglich je eine Lektion in 
Mathematika. Zwei weitere Docenten lesen täglich, der erste: 
Dialektik, der zweite : Rhetorik. Diese beiden haben auch die 
Wohnungen in den Kollegien zu vermieten und das Mietsgeld 
an den Fiskus abzuliefern, ebenso wöchentlich eine Deklamation 
zu halten. Ein neunter Doceot liest täglich Physik, ein zehnter 
„in Morali Philosophia", ein Magister liest als elfter Pädagogik. 

Der erste und zweite erhalten jährlich ein Qehalt von 
100 Gulden, die nächsten acht 80 Gulden und der elfte 40 Gulden, 
welche Gehälter in vier Eaten zahlbar sind. 

Jeden Sonnabend findet abwechselnd eine Disputation oder 
eine Deklamation statt: alle Prolesboren imd Magister sind 
solche zu halten verpliichtet. Die Lektoren der Dialektik, 
Kketorik, des Griechisch und des Terenz müssen Deklamationen 



*') C. A. I. p. 417. 



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Die Verwaltuüg der Universitäten Leipzig und Wittenberg. 29 



anstellen und jeder von ümen selbst emmal im Jahr dekla- 

mieren. 

Bei einer Dispnt'ition erhält der Präsident fiinf. der 
Respondent vier, jeder Opponent zwei Groschen. Ein Deklamaat 
erhält fünf Groschen. Wer von den Professoren seine Disputation 
oder Deklamation aussetzt, zahlt Gulden.^') 

1680 werden in Leipzig in der philosophischen Fakultät 
nenn Docenten aufgeführt. 

Der erste, der Professor grammaticae, liest die grammatica 
Fhilippi latine et graece. 

Der zweite: Dialeeticam Phüippi, dann die Reden des 
Cicero und den Qnintilian. 

Der dritte: llhetorik. 

Der vierte : Cicero, Caesar» Livius, Demosthenes, Thucydides, 
Herodot oder Homer; er ist der „Linguist". 

Von allen soU bei diesen Vorlesungen auf das „exercitium 
stjli" gesehen werden. Der Grammatikus und Linguist sollen 
alle 14 Tage ihre Zuhörer ein Extemporale im Latein schreiben 
Isssen, das nachher korrigiert und besprochen wird. Der 
Bhetorikus muss dagegen mit seinen Zuhörern Disputationen 
und Deklamationen anstellen. 

Der fünfte liest die Kumödieu des Terenz, Vergüs Aeneis, 
Hesiod und die Cyropädie. 

Der sechste: Mathematik, Arithmetik, iSphaeram, Euklid 
und Theorias Planetarum. 

Der siebeute : Organon Aristotelia, 

Der achte : libros Physikos Aristotelis und daa Oompendium 
M. Georgi Libleri. 

Der neunte : die Ethica und PoliUca Aristotelis. 

Die drei über Aristoteles Vortragenden sollen griechisch 
lesen. 

Die Professoreil und Magister der philosophischen Fakultät 
sollen sich zugleich Privatschüler halten. Das Honorar für 
diesen Privatunterricht darf im Jahr pro Schüler nicht vier, 
bei Reichen nicht fünf Thaler überschreiten. Ebenso sollen die 



C. A. L p. 951 ff. 



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30 I^io VerwaltiiDg der IJxiiTenitätai he&jpag und Witienberg. 

Professoren kein zu hohes Kostgeld und Stubenzins too ihien 
bei ihnen wohnenden SobtUern nehmen. 

Diese PriTatpr&ceptoren sind ^erteljKbrlich vom Rektor^ 
Eänzler und der philosophischen Fakult&t zu Tisitieren. 

Auch in Leipzig findet jeden Sonna))end eine Disputation 
statt, der ein Magister präsidiert, Baccalaureen respondiereu, 
'während andere Magister opponieren. Der Präses hat seine 
Thesen 14 Tage vorher dem Professor, in dessen Gebiet die 
Disputation lallt, zu übergeben. Dieser prüft sie und übergiebt 
sie dann dem Dekan. Dekan und Professoren haben der 
Disputation beizuwohnen. Im Sommer beginnen die Disputationen 
um sechs Uhry im Winter um sieben Uhr früh. In Betreff der 
Promotionen ist genau vorgeschrieben, was bei den einzelnen 
Geraden von den FromoYenden zu leisten ist 

Ein Baccalaureus muss Latein und Griechisch verstehen, 
femer Dialektik, Rhetorik, principia Physioes, Arithmetik und 
Sphaeram gelernt haben, und nachweisen, dass er in den Dis- 
putationen genügend respundicrt iiabe. 

Ein Magister muss des Latein und Griechisch wohl kundig 
sein, ebenso Dialektik, Physik und Ethik des Aristoteles be- 
herrschen und fleissig disputiert liahen. 

Der Kanzler hat den Examina beizuwohnen. Unnötige 
Kosten sollen ganz vermieden werden, den Unvermögenden .ist 
der dritte Teil aller Kosten zu erlassen. 

Ein Ma^ster hat zum prandium einzuladen alle Magistri 
artium, die Professoren der drei oberen Fakultäten, das Consi- 
lium Perpetuum und den regierenden JEtat.**) 

Ausser den oben genannten Professoren doderten später 
in der FakuMt auch noch andere Docenten. So hören wir, 
dass 1614 in Wittenberg 6 Adjunkte in die philosophische Fa- 
kultät aufgenommen werden, denen es obliegt, fleissig privatim 
zu lesen und mindestens im Vierteljahr einmal öffentlich zu 
disputieren.'***) 1668 wird von Kurfürst Johann Georg Tl. be- 
stimmt, dass auch diese Adjunkte Dekane werden können.'*^) 



«*) C. A. I. p. 744 ff. 

w) C. A. I. p. 963 ff. 
•») C. A. I. p. 981 ff. 



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Die Verwaltung der UniTerutäten Leipzig and Wittenberg. 3X 

1711 erhält die philosophische Fakultät zu Wittenberg von 
König Eriedrich Augnst, als Beichsvikar» das Prinlegium, dass 
sie gekrönte Poeten ernennen dürfe.^'} 

In der theologischen Fakultät sind 1536 in Wittenberg 
drei promovierte Doktoren als Legenten. Der erste und zweite 
lesen vier Tag^e in der Woche je eine Stunde, und zwar der erste 
im ueueu Testament hineiiiander Römer, Gaiater und das Evan- 
gelium Johannis. Das Gebiet des zweiten hat man leider ab- 
solut vergessen, anzugeben. Der Dritte liest am Montag und 
Donnerstag alle anderen Episteln Pauli, Petri und Johannis. 
Ansaerdem mnss er am Mittwoch und Sonnabend in der Schloss- 
kirche predigen. 

Ausser diesen drei liest noch ein Pfarrer zu Wittenberg, der 
Doktor oder wenigstens lizentiat sein muss , am Dienstag und 
Donnerstag das Evangelium Mathai, Deutoronomion und zu 
Zeiten einen der kleinen Propheten. 

Die ersten 3 Lektoren eiiialteu jährlich 200 Gulden Ge- 
balt in vier Raten. Der Pfarrer ausser seinem Fiarreinkommen 
noch 60 Gulden.«*^) 

1580 wurden für beide üniversitäten vier ordentliche Pro- 
lessoren und ein Professor hebraeae liuguae bestimmt. Der erste 
von ihnen liest die fünf Bücher Mosis, der zweite die Propheten, 
der dritte die Episteln St. Pauli, besonders Römer und Ga- 
iftter, der vierte Timotheus, Titus und die Hauptartikel christ- 
licher Lehre, die locos communes Philippi 

Ein Successor soll die Vorlesung seines Vorgängers da 
irieder au&ehmen, wo jener aufgehört hat Möglichst soll in 
der Textsprache gelesen werden. Bi 3^4 Vorlesungen soU 
mindestens ein Kapitel, in 16 Vorlesungen ein locus beendigt 
werden. Die Zuhörer dürfen nach der Lektion Fragen an die 
Docenten richten. 

In Wittenberg sollen die Professoren abwechselnd für die 
vielen Ausländer au den Sonn- und Feiertagen das Evangelium 
lateinisch erkläxen. In den Wochenpredigten sollen sie die sonst 
nicht gelesenen Bücher der heiligen Schrift auslegen. 



•>) C. A. L p. 993 f. 
") 0. A. L p. 9Ö1 ff. 



32 Die Verwaltong der UnivenitäUn Leipzig and Wittenberg. 



Der Profe'^^ior liiigiuie liebraicae soll viermal im Jahr das 
Compendium grammaticae auslesen und daneben den Psalter, 
die Sprüche Salomonis oder sonst ein leichtes Buch interiiretieren. 

Disputationen finden im Jahre zwölf statt. Jeder Professor 
hat 14 Tage vor dem öffentüchen Anschlag sie dem Dekan zu 
Übergeben^ der sie mit den drei anderen Professoren be- 
spricht. Bricht ein Streit über sie aus, so schiebt der Kanzler 
die Disputation auf, bis Einigkeit über sie erzidt ist; inzwischen 
wird irgend eine andere Materie disputiert. Zu Respondenten 
sind besonders Stipendiaten zu wählen. Die Zeit des Beginns 
ist die in der philosophischen Fakultät. Philusuplubche Öubtili- 
täten sind in ihr zu vermeiden, alle Beweise dürfen nur aus der 
heiligen Schrift genommen werden. Kirchenväter und Konzilien 
sind nur dann heranzuzielicn, wenn sie mit dieser übereinstimmen. 

Ein ßaccaiaureus muss wohl ])ewandert sein im alten und 
neuen Testament, und die Hauptartikel der christlichen Lehre 
aus ihr verteidigen können, ausserdem muss er in einer Dispu- 
tation öffentlich respondiert haben und ein Examen bestehen. 

Ein licentiat und Doktor muss wohl erfahren sein in der 
heiligen Schrift und alle Artikel der christlichen Beligion aus 
ihr beweisen und die Irrlehren widerlegen, sowie der Jugend 
die ersteren gut vortragen können, er muss eine Disputation 
halten und ein kurzes Buch der keiiigen Schrift eventuell eine 
Eipistel Pauli kursorisch lesen und mehrmals öffentlich pre- 
digen. '^'^) 1616 wird verfügt, dass hei den ordentlichen Dispu- 
tationen der Name des Respondenten auf den Thesen stehen 
soll. Der Dekan soll besonders darauf achten, dass dabei 
nichts contra analogiam fidei gesagt werde. Die theologischen 
Professoren sollen wider ihre Gegner schreiben. Keiner soll 
zom Lizentiaten oder Doktor promonert werden, der nicht 
schon eine seinem Bange entsprechende Vokation hat, Torher 
eine Probepredigt gehalten, das inramentnm religionis geleistet 
und die Konkordienformel unterschrieben hat.**) Wir stehen 
hier schon in der Zeit der yerknocherten lutherischen Orthodoxie, 
welche vor allem anderen auf stramme Eechtgläubigkeit hielt. 



»*) C. A. 1. p. 725 fr., 730, 731 f. 
»*) ü. A. I. p. 915 ff. 



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Die Verwaltung der Universitäten Leipzig und Wittenberg. 33 



1624*^ wird die theologische Fakultät von Kurfürst Johann 
Geor? L angewiesen, darauf zu acliten, dass in den anderen 
Fakultäten ebenfalls, wie verordnet, die Angsbnrgische Kon- 
fession resp. das Kookordienbuch unterschrieben werde und 
überhaupt Zucht und Disziplin bewahrt bleibe. Zuwider- 
handelnde 8oU sie dem Konsistorium anzeigen. Jeder Kandidat, 
der m den anderen Fakultäten zu Giaden zugelassen werden 
iriU, muss Ton ihr ein Zeugnis bringen, dass er die geforderte 
Unteischriffc geleistet habe. 

In den Ordnungen yom 1. Januar 1S80 findet sich ganz 
genau der Wortlaut der Eide und Versprechungen, die bei der 
Immatrikulation und bei Promotionen etc. zu leisten waren. — 
Unter achtzehn Jahren durfte man bei der Immatrikulation 
nicht den Eid leisten, sondern man musste statt dessen nur 
dem Rektor geloben, den Statuten und ihm Gehorsam zu leisten 
etc. Nach zurückgelegtem achtzehnten Lebensjahr wurde der 
Eid nachgeholt. Hieraus lässt sich wohl die häufige Bemerkung 
in den alten Matrikeln der Unirersität hinter den Namen der 
Inscribierten: „non iurant** erklären. — Nun findet sich 1680 
weder bei der Immatrikulation noeh bei den Promotionen der 
did anderen Fakultäten irgendwelche konfessionelle Yerpflich« 
tuog, nur die Theologen werden bei der Promotion auf das 
Apostolikum, das nikenische und athanasianische Glaubens- 
bekenntnis, die Augbburger Konfession, die Öchmalkaldener 
Artikel, Luthers Katechismus und die Torgauer Deklaration 
verpflichtet. 

1616 und 1624 haben sich die Verhältnisse stark ver- 
äudert, jetzt werden in den drei anderen Fakultäten die Frem- 
den bei der Inskription auf die Augsburger Konfession, die 
Einheimischen and die Theologen auch noch auf das Kon- 
kordienbuch verpflichtet Wie es mit den Kandidaten stand^ 
haben wir soeben oben gesehen. Ebenso mussten die Stipen- 
diaten mit 18 Jahren das iuramentnm religionis leisten und 
das Konkordienbnch nnterscltreihen« **) 1668 wird Ton jedem 



C. A. I. p. 969 ff. 

C. A. I. p. 748 flF. 
C. A. I. p. 969 f. und p. 915 £. 
Brachmüller, Beitrage. 



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34 Die Verwattmig der UmTenitiitcn Leipzig und Wittenberg. 

PromoTenden das iuramentnm religioBis gefordert.^*) Wie 
flchftrf der Gewissenszwang auch, was die Bttcheroensnr betrifft, 

geübt wurde, haben wir schon oben gesehen. Eine von der 
oltiziellen abweichende Meinung auch litterarisch /u begrüiiden 
1111(1 zu vertreten war schlechterdings dadurch zur Unmöglich- 
keit gemacht worden. 

In Wittenberg sind 1536 in der juristischen Fakultät vier 
Legenten, von denen drei Doktoren , der vierte wenii^^steus ein 
Licentiat sein muss. Jeder hat vier Tage in der Woche zu 
lesen und zwar täglich eine Stunde. 

Der erste liest Pandekten , der zweite Dekretalien, der 
dritte ,»in codice'*, der vierte Institutionen. An Gdialt erhält 
der erste 200 Qulden, der zweite 180, der dritte 140, der vierte 
100 Gulden jährlich in vier Raten. Die drei ersten sind zu- 
gleich Assessoren heim Hofgericht, der vierte der Advokat 
und Prokurator der Armen hei ihni; alle vier haben Rechts- 
belehrungen lu bürgerlichen und peinlichen Sachen zu er- 
teilen. 

In Leipzig sind 1580 fünf ordcntlicbe juristisclie Professoren. 
Sie sollen in höchstens fünf Jahren die wichtigsten juristischen 
Materien absolvieren. Es werden dann genaue Vorschriften 
gegeben, was ein jeder in jedem Jahre lesen soll. 

Der erste liest Hateriam Contractuum, der zweite Mate^ 
riam ultimamm voluntatom, der dritte materiam IndicoTciin 
besonders ez iure Ganonico. 

Dieser dritte ist der Ordinarius der Juristenfaknllät, der 
vor den anderen eine höhere Stellung einnimmt. Wir kommen 
nachher auf ihn zurück. 

Weitläufigkeiten und besonders das Diktieren in den Vor- 
lesungen wird den Professoren untersagt. Man soll sich an 
berühmte Rechtsinterpreien arisciiliessen, so z. B. an Paulus 
de Castro, Jaso, Decius. Panormitanus. 

Nach der Vorlesung ist es den Zuhörern erlaubt, an den 
Docenten Fragen zu richten. Der vierte soll die Titel lesen^ 
die neben den erwähnten materüs ordinarüs nicht repetiert 



C. A. 1. p. mit, 
C. A. I. p, 951 fll 



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JMe Vwwaltiug; der UaiTenitäten Leipzig und Wittenberg. 36 



Verden könceD, ausserdem soll er jedes Jabr zwei Monate lang 
im JuDi und Juli die materi^ feudalem bebandeln. 

Der fünfte liest Institutionen, Dieser hat nur einen drei- 
jühngea Knrsns, nicht wie die ersten drei einen fünfjährigen« 

Genau ist auch der Stundenplan yorgeschrieben. Der 
erste liest früh yon 7 — 8, der 3* Ton 9 — 10, der 5. Ton 1 — 9, 
der 4. Yon 2 — 3, und der 2. TOn 4 — Jeder soll eine volle 
Stande lesen. 

Ifan sieht schon aus diesen äusserst genauen Vorschriften, 
dass man in den Fleiss gerade der Juristen kein allzu grosses 
Vertrauen setzte. Und in der Tbat siud die Klai'en über den 
Unfleiss der Juristen und die Verordnungen dagege n häufierer 
wie in den anderen Fal<iiltäten. Dies lag zum Teil daran, daas 
die Juristen nebenbei eüie ausgebreitete Frivatpraxis trieben, 
znm Teil aber auch daran, dass sie erstens bei den Hofge- 
richtoTi beteiligt waren und dann stark yon den JBHlrsten selbst 
zo diplomatischen Aktionen etc. herangezogen wurden. So yer- 
spricht KurfOrst Christian II. z. B. 1612*^, dass künftig die 
Juristen möglichst mit Legalionen und Kommissionen yer- 
sehont werden sollen. 1614 war den Juristen, z. B. dem Ordi- 
narius wegen seiner vielen sonstigen Greschäfte, in einzelnen 
Fällen gestattet worden, ihre Vorlesungen durch tüchtige Sub- 
stitute halten zu lassen; doch wird diese Vergünstigung schon 
1624 wegen Missbrauchs wieder kassiert. '"^) 

Ausser den ordentlichen Professoren kommen auch in der 
Juristenfakultät Adjunkti vor, weiche auch eine Stimme bei 
der Dekanatswahl haben und sogar selbst wählbar sind. **) 

Disputationen finden nach den Ordnungen Ton 1580 in der 
jnristisdien Fakultät 12jährlich statIv ausser den disputationes 
extraordinaiiae yon Licentiaten und Kandidaten. Die Themata 
smd dem Ordinarius yorher zu übergeben. Der Tag, au dem 
die Disputationen gehalten werden, ist der Mittwoch, die Zeit 
des Beginns die in allen FakuMten übliche. Die Themata 
müssen 8 Tage vorher angeschlagen werden. Beizuwohnen 

") C. A. I. p. 733 C 
««) C. A. I. p. 172. 
") C. A. I. p. 969 IV. 
C. A. I. p. 969 ff. 

3* 



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35 Verwaltung der UniversitäteD Leipzig und Wittenberg. 



haben der Disputation der Ordinarius, die Professoren und 
Doktoren iur., der Rektor und der Kanzler. Baccalaureen 
und Studenten respondieren. Ausserdem finden alle 14 Tage 
Sonnabends Disputati ones extraordinariae im Auditorium Petri- 
num statt, besonders müssen sich an diesen die Promovenden 
beteiligen. Ein Baccalaureus muss disputiert haben, darum 
haben bei diesen Disputationen die Kandidaten den Yoiraog. 
Ihnen wohnt immer ein Professor und ein Doktor yon den 
fünf zuletzt promonerten bei, um die Ordnung aufrecht zu er- 
halten; diesen müssen Torher die Themata übergeben werden.*") 
Ein BaccalaureuB muss Institutionen und titnlum de ver- 
bomm significationibus wohl studiert haben, ausserdem müssen 
ihm die ordines et continuationes titnlomm wobl bekannt sein. 
Ein Licentiat und Doktor muss den cursus studioru.m absol- 
yiert haben und schon Vorlesungen und Disputationen gehalten 
haben.**) 

Eine eigentümliche Sti^Uung nimmt in der juristischen 
Fakultät neben dem Dekan, dessen Amt ebenfalls lebensläng- 
lich ist — weshalb aus der Juristenüakultät an seiner Stelle 
zur Rechnung des Universitätsfiskus ein ordentlicher Professor 
der Beihe nach abwechselnd deputiert wird*^ — der Ordi- 
narius der JuriatenfiLkaltät ein. Dieser gehört^ wie wir schon 
oben gesehen haben , zu dem Oondlium perpetuum und ge- 
niesst auch sonst Terachiedene Vergünstigungen. So wird ihm 
1616*^ gestattet, dass er in der Woche nur 3 Stunden zu 
lesen braucht, etc. Während der Dekan nach aussen hin, bei 
Konvi Dten etc. vor ihm durchauö die Präzedenz hat, hat der 
Orduiarius die Initiative bei den eigentlichen jurisdiktionären 
Funktioiiüii der juristischen Fakultät. An ihn geben die hin- 
kommenden Rechtssachen, er verteilt die Akten, ernennt die 
Referenten und Korreferenten, sammelt die Vota und sieht die 
Urteile durch.®*) Kurz, im Innern der Fakultät ist er ent- 



•») C. A. I. p. 737 f. 
••) C. A. I. p. 738 C 

C. A. L y. y21. 
••) C. A. I. p. 916 ff. 
«) a A. I. p. 981 ff. 



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Die Verwaltmig der Ualvemtäteik Leipsig und Wiitenbeig. Z7 



schiedea der eiste Mann, wShiend der Dekan die Fakultät 
mebr nach aussen hin repräsentiert 

Mit dem SchÖppenstnhl in Leipzig geriet die Juristen- 
Mnltät zuweilen in Kompetenzstreitigkeiten, weÜ auch sie sich 
eimSchtigt glaubte in Kriminalsachen Bechtsbelehrungen er- 
teflen zu dürfen. Dies wird ihr 1638 auf eine Beschwerde 
des Leipziger Schöppeustuhls hin verboteD."^**) 

1721 und 1723'^) erhält die juristische Fakultät die Auf- 
gabe und das Kecht, die Notarii publici auf ihre Kenntnisse 
und Fähigkeiten bin zu prüfen, sodass in Notar, ohne diese 
Prüfung bestanden zu haben, mehr ernannt werden darf. 

Die medicinische Fakultät war in Wittenberg bei der 
Gründung am schwächsten vertreten. Anfangs war nur eiui 
dann 2 Doktoren der Medicin als Docenten in der dortigen 
Paknltät. 1636 wird dann ihre Zahl noch um einen vermehrt^ 
von denen 2 Doktoren, der 3. wenigstens ein Lioentiat der 
Medizin sein muss. 

Der erste liest Hippokrates, der 2. Rosin und Aujermann, 
der 3. Amitomicos libros. 

An Gebalt erhält der erste 150, der 2. 130, der 3. 
8ö Üulden.^-) 

Man sieht, dass in diesem Plane noch gar keine Rück- 
sicht genommen ist auf irgendwelche Demonstrationen und 
praktische Übungen. Diese setzten sich erst sehr langsam und 
allmählich durch. 

1680 finden wir in Leipzig 4 ordentliche Professoren in 
der medidnischen f^akultät. 

Der erste liest Physiologie nach Galen und Aricenna, der 
i, Pathologie und Symptomatik ebenfalls nach Galen und 
Aricenna, der 3. Hygiene und Therapeutik nach Galen, Ari- 
cenna und Rasis, der 4. Chirurgie und Anatonde nach Galen. 
Wer kann und will, diiif auch über Hippokrates lesen. 

Also auch jetzt herrschen noch vollkommea m dein medi- 
cinischeii Unterricht die Alten vor. Aber daneben wird auch 



'O) C. A. I. p. 1131. 

'1) C. A. I. p. 1206 und 12U f. 

«) C. A. I. p. 951 flf. 



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38 Die Yerwaltang der TTiuTemtiiteik Leipzig und Wittenberg. 

BohOD bestimiDt, dass OkuIardemonstrationeD angesteUt werden. 
Der Kursus ist bei allen 4 Professoren ein dreijähriger. 

Der Obirurg hat in diesen 3 Jahren und nach Möglichkeit 
mit praktischen Beispielen zu lesen, im ersten: de tumoribus 
praeter naturam, im 2. de vulneribus et ulceribus, im 3. de 
luxatis et fractis ossibus. Ausserdem soll er, wemi irgend 
möglich, miüdestt ns f mmal im Jahr ,,in publica anatomia" 
au einem menschlicheu Körper das, was er dociert hat, demon- 
strieren. 

Ebenso soll möglichst einer ordinem medicamentonun gene> 
ratim miscendorum et componendorum docieren. 

Jeder Professor hat jährlich 3 Disputationen zu halten, 
er muss seine Thesen vorher dem Dekan übergeben, 8 Ti^e 
vor der Disputation müssen diese öffentlich angeschlagen werden. 

Für Wittenberg wird verfügt, dass man sidi auch dort, 
80 gut es nach der geringeren Anzahl der Docenten geh^ will, 
nach diesen Vorschriften richten soll. 

Ausser dieser ihrer Docentenpflicht liegt es den Professoren 
auch noch ob, während der Ferien die Apotheken zu visitieren 
und die Barbiere und Wundärzte zu prüfen, welche ohne 
Approbationsschein der medizinischen Fakultät nicht prakti- 
zieren dürfen.'*) : 

1624 wird bestimmt^ dass jährlich mindestens zwei sectiones i 
humaoi corporis vorgenommen und ebenso oft die Studenten 
„herbotim'' geführt werden soUen. Zugleich wird ein „hortus 
medicus'' für Wittenberg in Aussicht gestellt.'^) 1668 ist ein 
solcher mit einem Inspektor darüber thatsäohlich vorhanden.^*) 

Zahlreich sind auch seit 1716 die Verordnungen, nacii 

denen die Körper hingerichteter Verbrecher an die Anatomien < 

zu Sektionen ausgeliefert werden sollen, so haben wir solche ii 

im Codex Augusteus von 1716, 1718 und 1723. '«) is' 

Vielfach und heftig wird, wie wir schon oben erwähnt 

haben, über die Trägheit der Professoren und besonders der k 



'*) C. A. L p. 740 ff. 

C. A. I, p. 921. 
^ C* A. J. p. 969 f. 



^ 0. A. I, p. 947, 398-^, 993 ff. 




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Die Verwaltung der UiuTersitaten Leipsig und Wittenberg. 39 



juristischen geklagt. Scharf umgrenzt und rocht knapp be- 
messen waren daher auch die Ferien, uiui elienso scharf die 
Kontrolle, ob die Professoren ihre Vorleaungen auch wirklich 
bielteo. Nicht gelesen wurde in Leipzig nach den Ordnungen 
vom 1. Januar 1580 an den Sonn- und Feiertagen, die in der 
Kiichenoidnung bestimmt waren, dann während eines Monats 
in den Hundstagen, weiter an je 8 Tagen während der 3 Leip> 
ziger Messen, jedoch musste am 9. Tage wieder gelesen werden, 
weiter nm Weihnachten und Pfingsten je 3 Tage, nm Ostern 
▼om G-ründonnerstage an 6 Tage, und um Estomihi inklnsiTe 
des Sonntags 3 Tage lang. 

Von Wittenbertr hören wir nur, dass dort keine über- 
mässigen Ferien gebräuchlich seien, und dass dort auch während 
der Huüdstage gelesen werde, deshalb solle es dort beim Alten 
bleiben. 

Ausserdem dürfen die juristischen Professoren, welche im 
Hofgerichte gebraucht werden, während der Dauer desselben 
ihre Vorlesungen aussetzen. 

1614 finden wir auch eine genaue Feiienordnung für 
Wittenberg im Codex Augusteus.'^ Dieselben erscheinen gegen 
die Leipziger TOm Jahre 1680 stark erweitert, — mit Aus- 
Dahme der Hnndstage — und man darf daher wohl annehmen, 
dass diese Erweiterungen auch Leipzig betroffen haben werden, 
Nicht geieöt'H wud jetzt au allen Sonn- und -b'eiertageu. vom. 
Sonntag vor bis nach Weihnachten, vom Sonntag Palmarum 
bis Quasimodogeniti, vom Pfingsttag bis Trinitatis, je 14 Tage 
an den drei Leipziger Märkten.''') 

Um die Professoren zu kontrollieren wurde viermal im 
Jahre nach den Ordnungen vom 1. Janur 1580 ein sogenanntes 
£iamen neglectuum abgehalteu, in dem vor einer Versammlung 
aller Professoren jeder seine Versäumnisse samt den Gründen 
hitk angeben musste. Die Versammlang entschied dann, ob 
die Gründe stichhaltig, oder der betreffende zu einer Strafe 
a Teiarteilen sei. Diese Strafe fliesst in den Fiskus der Uni- 



") C. A. I. p. 752. 

'») C. A. I. p. 963 ff. 

c. A. I. p. m fi". 



40 Verwaltung Uer Univeraiiaten Leipzig und Wittenberg. 



yersität und darf nicht kleiner sein, als nach dem Gehalt des 
Betreffenden pro rata auf jede Lektioü kümmt. 

Stichhaltige Eutsf huldigungsgründe sind: Krankheit, Be- 
gräbnis eines Freundes oder Nachbars, die Hochzeit eines 
nahen Verwandtpo , oder unvermeidliche G-eschäfte der IJni- 
Teisität. Bei einer notwendigen E.eise muss diese dem Eiektor 
oder Dekan angezeigt werden und eventuell die Yersäumten 
Stunden nachgelesen werden. Doch soll eine solche Erlaubnis 
Tom Kektor mögliohst selten ertolt werden. Jeder Professor 
muss selbst lesen, nicht durch Substitute seine Yorlesmigeii 
abhalten lassen. Die Fraepositi CoUegiorum haben den Un- 
flnss eines Professors dem Bektor und Kanzler anzuzeigen, 
letzterer fuhrt ein Verzeichnis aller YersSmnisse.^^) 

1614 wild für AVittenberg als Strafe für jede versäumte 
Disputation drei Thaler bestimmt, welche vom Gehalt zurück- 
behalten werden. Vor dem Examen Neglectuum erhält über- 
haupt kein Docent mehr als die Hälfte des fälligen Gebaltes. 
In jeder Vorlesung muss ein Stipendiat diese nachschreiben, 
wobei bei jeder Stunde genau das Datum am Rand vermerkt 
werden muss. Diese Hefte erhalten der Eektor und die Dekane 
zur Einsicht» Ton denen sie dann an das Oberkonsistorium ein* 
gesandt werden. Die Strafgelder fallen jetzt zu ^ 
Bektor, zu 7« en die Dekane nnd KoUegienverwalter und zu 
% an den Nacbschreiber. 

1624 werden für jede yersänmte Lektion in den drei 
oberen Fakultäten zwölf Groschen, in der philosophischen 
sechs Groschen, für eine Disputation 3 resp. 1 ^/^ Thaler als 
Strafe festgesetzt, unerlaubtes Verreisen k(jstet fünf Thaler.®*) 

166f> wird sogar bestimmt, dass jeder Professor seine 
öffentlichen Vorlesungen von halb zu halb Jahr einsenden 
mnss.^^) 1714 wird den Professoren ausser bei Krankheit 
oder anderen dringenden Hindernissen verboten, im Hanse zn 
lesen, was besonders während des Winters yorkam.^) 

•0; C. A. 1. p. 752 ff. 
«) C. A. I. p. 963 ff. 
"2) C. A. I. p. 969 ff. 
w) 0. A. I. p. 979 ff. 
•*) C. A. 1. p. 388. 



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Die Verwaltnng der UniTerntäten Leipzig und Wittenberg. 41 



1614 wird verordnet, dass jeder ordentliche Professor der 
drei oberen Fakultäten jährlicb zwei Disputationes ordinariae 
halten oder in seinein I^Iamen Yon einer anderen genugsam 
babilitierten Person halten lassen nmss. 1616 wird yerordnet, 
dass alle Professoren der drei oberen Fakultäten vier Stunden 
wöchentlich lesen und alle drei Jahre ihre Pensen absolvieren 
sollen. Die Vortragssprache soll lateinisch sein. 

Ebenso werden die Professoren auch häufig ermahnt , die 
Konvente etc. tieissig zu besuchen. 1624 wird als Strafe für 
Fehlen in denselben das erste Mal ein Verweis, jedes folgende 
Mal zwölf Groschen festgesetzt. 1665 werden sie ermahnt 
dort friedlich zu seiui überhaupt einträchtig zu leben und sich 
nicht gegenseitig von der Kanzel etc. anzugreifen. 

Zwischen und gegen Professoren ist eine Injurienklage 
durchaus unzulässig, doch muss der Beleidiger eine Abbitte und 
Ehrenerklärung leisten.^*) 

Bei allen Disputationen, Promotionen und anderen öffent- 
lichen Akten haben die P^fessoren nach den Ordnungen tou 
1580 eine eigene Bank. Zuerst kommt der Rektor, dann der 
Kanzler, darauf der theologische Dekan mit seinen Professoren, 
dann der Dekan der juristischen Fakultät und seine Proloösoren, 
es folgen sodann in derselben Ordnung die Mediciner und 
Artisten. Die Professoren unter sich sitzen nach dem Alter 
ihrer Promotion. Eine zweite Bank nehmen die Doktoren 
ein. Nach einer Verordnung von 1668 sitzen auch die 
Adjunkti der Fakultäten bei ihren Professoren , und nur die 
Doktoren, die nicht einer Fakultät als Docent angehdren, bildra 
eme neue Bank für sich. 

Die Denomination für erledigte Professuren steht nach der 
Fundation der Universität Wittenberg Tom Jahre 1536 der 
Universität zu. Sie normiert zw^ ihr für die Professur ge- 



•») C. A. I. p. 963 ff. 
••) C. A. I. p. 916 m 
0. A. I, p. 969 ff. 
^ C. A. L p. 979 ff. 

C. A. 1. p. 871. 
«>) C. A. I. p. 778. 
") C. A. I. p. 981 ff. 



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42 Verwaltnngf der Univerntaten hüpäg und Wittenberg. 

eignet erscheinende Personen dem Kurfüsten, der daa Be- 
stätigungsrecht hat; doch kann dieser auch ahsolnt frei aus 
eigener MachtToUkommenheit tttchtige Leute yon ausserhalb an 
die Universität berufen. **) 

Nach den Ordnungen von 1680 macht die betreffende 
Fakultät, in dur die Professur erledigt ist, dem Rektor inner- 
halb von 14 Ts. gen ilirc Vorschlage, dieser berät darüber nach 
Anhörung des Rates der drei oberen Fakultäten mit dem 
Kauzirr und dem Concilium peri)etuuni. Bei ihrer Wahl ent- 
scheidet Stimmenmehrheit, der Kurfürst hat die Bestätigung. 
Bei ^m\ev Erledigung in der philosophischen Fakultät darf jede 
Fakultät dem philosophischen Dekan innerhalb von 14 Tagen 
Vorschläge machen, aus den Vorgeschlagenen wählt die philo- 
sophische Eakulföt zwei bis drei aus und meldet diese dem 
Bektor. Sodann wird im Beisein des Bektors, Kanzlers und 
Senates in einer Versammlung aller Professoren einer gewählt. 
Doch ist diese Versammlung nicht an die von der philoso- 
phischen Fakultät Ausgesuchten gebunden; sondern sie kann 
aus der ganzen Zahl der von allen Fakultäten Vorgeschlagenen 
wählen. •'^) 

Die Entscheidung? der ünivorsität muss nach dem Dekret 
Ton 1624 binnen sächbisclh r Frist (sechs Wochen drei Tage) 
dem Kurtürsten mitgeteilt werden. Geschieht dies nicht, so 
verliert die Universität das ins nominandi. ®*) 

Uber die Gehaltsverhältnisse der Professoren erfahren wir 
Genaues aus dem Codex Augusteus nur fOr Wittenberg, und 
sind hier die Gtehälter immer bei Besprechung der einzelnen 
Fakultäten angegeben worden. 

1409 erhalten in Leipzig die zwölf Magister des Oollegium 
majns je 30 fl. jährlich , der Magister sacrae theologiae noch 
30 fl. ausserdem, also im gauzen bü ti. Die acht Magister 
des CoUegium minus erhalten jährlich je 8 fl. •*) 

Ausserdem hören wir nur noch gelegentlich über Befrei- 



**) C. Ä. I. p. 955 ff. 

»») C. A. I. p. 747 f. 
•*) C. A. 1. p. 969 f. 
•*) C. A. I. p. 905 f. 





Die Verwaltung der UniYersitÄten Leipzig uad Wittenberg. 43 



Txngen der Professoren von allerlei Steuern , so 1662 Ton der 

Türkensteuer. *•) 1682 werden sie von der Einquartierungslast 
befreit.*') 1705 von der Vermögens- und Capitationssteuer.**) 
1716 erhalten die Professoren und deren Witwen Freiheit von 
der Generalacciae.*') Daran wird der Wunscii geknüpft, dasa 
die Professoren wieder, wie es früher Brauch gewesen sei, 
Studenten für billiges Geld au ihien Tisch nehmen sollten, 

SbeDso steht es den Docenten frei, für ihren Hausgebrauch 
jährlich fünf bis sechs Fass Bier sich stoiK rfrei von anderen 
Orten holen zu dürfen. Das Eüenburger Bier scheint hierbei 
yon den Leipziger Docenten besonders bevorzugt worden zu 
sein. Verordnungen wegen des freien Tischtrunks finden sich 
im Codex Augusteus Ton den Jahren 1622, 1647, 1661 und 
1711. »0«) 

Wie wir eben sahen, wurde es gern gesehen, wenn die 
Professoren Studenten an ihren Tisch nahmen. Vielfach 
schenkten aber auch die Professoren in ihren Häusern Bier 
und Wein aus, was oft zu grossen x\j:gerüiöseü Anlass gab. 
Deshalb wird 1614 das Bier- und Weinschenken den Professoren 
der Theologie und Juhsprudenz vollständig verboten, die 
anderen dürfen wenigstens keine anderen Gäste ansetzen. ^^^) 

Beim Beginn der Universität Leipzig hatten sämtliche 
Docenten und Studenten in den Kollegien zusammengewohnt, 
die Docenten waren zugleich die »piivati praeceptores^ der 
Studenten. 1580 wohnen schon viele Studenten und Professoren 
in der Stadt. Es muss aber dafär, wie 1580 verordnet wird,^^*) 
jeder Kollegiat, wenn er nicht selbst im Kollegium Wohnung 
nehmen will, an seiner Stelle eiiicu iü< htigen Magister ins 
Kollegium setzen, der dort „privatos discipuioa'' hält und auch 
sonst den Professor vertritt. 

Fest geregelt ist endlich auch, um dieses noch anzufügen, 



C. A. I. p. 37. 

C. A. 1. p. 2041. 
»») C. A. II. p. 1801. 
»•} C. A. 1. p. 378. 

O. A. L p. 925, 263; U. p. 1454, 1617. 
"•«) C. A. 1. p. 968 ff. 
»•^ C. A. L p. 754 fil 



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44 Verwaltaog der (Jnivenitaten Leipng "^i^ VV itt€oi>ej;^. 

die Tracht der Profissoren und sonstijjen UniTcrsitStever- 
wandten sowie ihrer fc'rauen und Töchter, fibeiiso bestehen 
genaae Vorschriften über die Zahl der Gäste and die Zahl 
der Tische, die ein Universitätaverwandter bei Hochzeiten etc. 
laden resp. setzen darf* Solche Vorschriften finden sich im 
Codex Angustens ans den Jahren 1612 nnd 1661. '^*) 

Nachdem wir jetzt die Fakultäten nnd die Professoren 
keDiien gelernt hüben, gehen wir zu drr Betrachtung der 
Universitätsinstitute über, der Bibliothek, der Kollegien mit 
der Kommunität iiud des Stipendiums, iirn daun zum Schluss 
noch einen Blick auf das Leben und Treiben der studierenden 
Jugend zu werfen. 

In der Fundation Wittenbergs vom Jahre 1536 hören wir, 
dass Herzog Friedrich dort eine gute Liberey begründet habe« 
Diese soll jetzt in der oberen grossen Hofstnbe des Schlosses 
aufgestellt werden. Für ihre Vermehrong werden jährlich 
100 Gulden ausgeworfen. Ihre Verwaltung erhält ein „fh>nimer 
gelehrter Magister" mit einem jährlichen Gehalt von 40 Gulden. 
Dieser soll zn der Bibliothek täglich in bequemen Stunden 
freieu Einfjang gi-wiihreu, ^"■*) 

1G16 hören wir auch von einer Bibliothek in fjeipzig, dieselbe 
erhält jährlicli nur eine Unterstützung vi>n 20 Gulden, wofür 
mit Vorwissen des Kektors und der Dekane nützliche Bücher 
angeschafi't W(;rden sollen, den Professoren steht der Zugang 
zur Bibliothek frei, auch dürfen sie sich aus ihr Bücher nach 
Hause entleihen. ^^^) 

Wahrscheinlich hat schon damals die Bibliothek in Leipzig 
das PriTilegium besessen ^ dass jeder Buchhändler in Leipzig 
von einem neuen bei ihm erscheinenden Werk ein Exemplar 
an die Universitätsbibliothek schenken musste; 1624 wird das- 
selbe Prmleg auch auf die üniversitöt Wittenberg ausgedehnt 
für die in Wittenberg erscheinenden Bücher. ^®®) 

1668 wird für Wittenberg bestimmt, dass für das Geld 

'«■«) C. A. I. p. 1456-5Ö, 1467, lö64. 

C. A. I. p. 955 ff. 
H (X A. I. p. yiü rt". 
»««} C. A. I. p. 969 ff. 



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Die YenraltaDg det Univerritiiten Leipzig uad Wittenberg. 45 



YOn der Bibliothek besonders seltene und kostbare Bücher an- 
gescbafift werden sollen, damit Professoren und Stndenten diese 
benutzen können. 

In Leipzig wurden 1409, wie wir schon mehrmals crwiihut 
habeu , zwei Kollegit'ii begründet, jedes von ihnen bosass ein 
Tollständig Steuer- und lastenfreies Haus. ^'*®) 1543 erhält die 
Universität noch das Paulinerkloster geschenkt,^"*) welches 
auch zu einem Kollegium eingerichtet wurde. In diesen 
Kollegiengebänden wurden nicht nur die Vorlesungen, Dis- 
putationen etc. abgehalten y so z. B. die juristischen in dem 
Golleginm Petrinum ; *^^) sondern es wohnten auch die Docenten 
und Studenten anfangs ausschliesslich in Ihnen. Später freilich, 
wie schon 1680, wohnten auch viele ausserhalb in der Stadt 
An der Spitze jedes Kollegiums stand ein Kurator, den die 
im Kollegium wohnenden Magister bei der Aufrechterhaltung 
der Ordnung und der Beaufsichtiguui; der dort wohnenden 
Studenten unterstützten. Der Kurator lührt über das Betragen 
der einzelnen Bewohner ein Verzeichnis, das er von Zeit zu 
Zeit dem Kektor vorzulegen hat. Der Rektor hat während 
seiner Amtszeit jedes Kollegium mindestens einmal mit seinem 
Vorgänger und dem philosophischen Dekan zu visitieren. Die 
Kechnungen der Kollegien werden den dazu verordneten kur- 
fürstlichen Kommissaren und den Deputierten des CSoncilium 
publicum schriftlich zur Prüfiing übeigeben. ^*^) Die Juristen 
haben ihr eigenes KoUeginm ittr sich, das schon genannte 
Collegium Petrinum (1504), ^'^) wahrschemlich in der Peters- 
strasse gelegen, in der sich noch heute das Geb&ode der 
juristischen Fakultät befindet. 

Eng verbunden mit der Einrichtung der Kollegien war 
auf den Universitäten die der Kommunität, oder des „gemeinen 
Tisches,^ an dem armen Studenten für ein hilliges Kostgeld 



»•') C, A. I. p. 981 ff. 
w«) C. A. I. p. 905 f. 

C. A. I. p. 14. 
*«) C. A. 1. p. 7S7 f. 

C. A. L p. 768 E 
"«^ C. A. L p. 911. 



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46 Verwaltimir der Umvenit&ten Leipzig und Wittenberg. 

Essen und Trinken verabfolgt wurde. In Leipzig befSemd sich 
der ^gemeine Tisch** in dem PaulinerkoUegium, 

Die Administration des Panlinerkollegiiuns mit der Korn- 
mnnitöt ruht, wie wir 1616 hören, in den Hfinden Ton zehn 
Männern» Ans diesen Decemyiri soll der Bektor jährlich einen 
Präses wftblen, der den anderen die Bechnnng yorlegt. Wöchent- 
lich hat abwechselnd einer der Decemviri die Inspektion und 
mu88 der Speisiu g beiwohnen. Ohne Vorwissen des Rektors 
und Inspektors darf der Ökonom keinen an den Tisch auf- 
nebmi II. Jedes Zechen ist in der Kommunität verboten. Allen 
Mitgliedern werden die Vorlesungen, die sie hören sollen, vor- 
geschrieben, vierteljährlich haben sich die Decemviri danach 
za erkundigen, ob diese auch Ton den Studenten besucht 
werden; Ungehorsame sind dann zu bestrafen oder eventuell 
anszuschlieesen. Das Kostgeld beträgt wöchentlich 6 Groschen 
und muBs im Toraus auf vier Wochen erlegt werden.^^^ 

Auch in Wittenberg wird 1636 für den gemeinen Tisch 
mit einem Qehalt von jährlich 40 Gulden ein Ökonom von der 
Universität angestellt. Während der Mahlzeit soll hier ein 
Lektor, welcher ein armer Studtut snu luusb, der dafür zwölf 
Gulden jährlich erhält, aus der heiligen Schrift vorlesen. ^^^) 

Zur Unterhaltung des gemeinen Tisches in Leipzig lieRs 
Herzog Moritz seit 1543 jährlich 600 Scheffel Korn Leipziger 
Mass dorthin liefern. ^ ' "^j 1694 werden dorthin im ganzen 700 
Scheffel Getreide geliefert, nämlich aus den Amtern Delitzsch, 
Pegau und Leipzig je 200 und von Grimma 100, doch werden 
dafOr die 300 Gulden aus dem Amte Petersberg eingezogen. ^^^) 
1683 wird bestimmt, dass jährlich 160 Stück Landvieh, 400 
Schöpse und 60 Kälber accisfrei in die Kommunität nach 
Leipzig gebracht werden dürfen.* 

BbenfallB zur ünterhaHong armer und würdiger Studenten 
diente noch eine andere Einrichtung in beiden Universitäten, 
das Stipendium. Eine Anstalt, in der die Stipendiaten in fast 

C. A. I. p. 921. 
"*) C. A. I. p. 966 ff. 
»«) C. A. L p. 14. 

C. A. I. p. 911. 
»') C. A. L p, 938 f. 



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Die Verwaltung der Universitäten Leipzig nnd Wittenberg, 47 

klösterlicher Strenge gehalten werden. Die Insassen waren 
meist, in Leipzig anfangs jedenfalls ausschliesslich, Schüler der 
drei sächsischen YOn Herzog Moritz begründeten Landesschulen. 
1545 werden von Kurfürst Johann Friedrich in Wittenberg 
ans den Eiokünften der Stifte Altenburg, Gotha und Eiaenach 
150 Stellen für Stipendiaten eingerichtet, doch können diese 
noch nicht sofort alle besetzt werden, da noch Kanoniker leben, 
welche aus den Einkünften der genannten Stifter lebenslänglich 
ihr Einkommen beziehen. Von diesen 150 Stellen werden 38 
mit Kindern von Adeligen, 28 mit Kindern von Pfarrern und 
Predigern und 86 mit BUrcferskindern besetzt."*) In den Ord- 
nungen Kurlürsts August vom 1. Januar 1580"®) erhalten wir 
einen genaueren Einblick in die ganze Organisation dieser 
Stipendien. Schon Kurfürst Moritz hatte in Leipzig etliche 
Stipendien für die dort studierenden Fürstenschüler verordnet. 
Jetzt wird die Zahl der Stipendiaten bedeutend erhöht. In 
Leipzig wie in Wittenberg sind jetzt 300 Stipendiaten, welche 
Medicin oder Jura studieren, und 150, die für den Kirchenr 
und Schuldienst Torbereitet werden, also in jeder Universität 
450 Stipendiaten. Sie sollen yon den anderen Studenten ab- 
gesondert und in besserer, emstlicherer Zucht und Lehre ge- 
halten werden. Zu ditst m Zwecke sind in Leipzig im Pauliner- 
kolleg, in Wittenberg im Collegio Augusti besondere und 
bequemere Wohnungen eingerichtet worden. 

Die Leitung eines jeden Stipendiums liegt in der Hand 
emes Magister domus, der die Stipendiaten beaufsichtigen, 
examinieren, ihnen ihr Geld austeilen muss und Uber jedes 
einzelnen Fortachritte und Führung quartaliter an das Oberw 
konBistorium in Dresden berichtet. Ihm zur Seite stehen acht 
magistri repetentes, welche aus den tüchtigsten und am weitesten 
Torgeschrittenen Stipendiaten genommen werden und mit den 
übrigen, die täglich gehürten Lektionen etc. repetieren müssen. 
Die Oberaufsicht führen die Superintendenten des Stipendiuma, 
welche zwei Professoren der Theologie sein müssen ; sie wohnen 



a A. L p. 969 ff. 
»«^ C. A. L p. 479, 697-616. 



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48 Verwaltung der Universitäten Leipzig and Wittenberg. 

den Tierteljährlichen Examen bei und beaafsicbtigeü dea magister 
domus und die magistri repetentes. 

Die aufzunehmenden Stipendiaten müssen Landeskinder 
sein und nachweisen, dass sie bedürftig und würdig sind zur 
AufDahme und gewisse Vorkenntnisse, besonders Kenntnis der 
alten Sprachen, mitbringen. Sie müssen dann geloben, nach 
beendigtem Studium sich in den Dienst keines anderen Heim 
als des Kurfürsten zu begeben und während ihrer Stipendiaten- 
zeit genau der Stipendiatenordung nachleben zu wollen. Auf 
das Genaueste und Strenjjste ist sodann das ganze Leben und 
der Studiengang der Stipendiaten geregelt. Von morgens bis 
abends sind die Andachten, die Vorlesungen, die Mahlzeiten 
fest normiert. Ausser den öÜentlichen Vorlesungen, die sie 
besuchen, müssen sie im Stipendium unter sich mit den magistri 
repetentes fleissig repetieren, disputieren und Predigtübungen 
anstellen. Alle Vierteljahre müssen sie in allen Fächern, die 
sie getrieben, ein Examen bestehen, wobei zu Tage tretende 
Trägheit streng, eyentuell mit Aussdilieesung, gestraft wird. 
Freüich soll auch bei der Vorschriüb der zu hörenden Kollegien 
auf die besonderen Neigungen tmd die Begabung des einzelnen 
Kücksicht genommoD, doch kein Each dabei gänzlich vernach- 
lässigt werden. 

Aussor freier Wohnung, freiem Tisch, Holz und Unter- 
richt erliit Iti n die Stipendiaten vierteljährlich auch noch eine 
gewisse Summe Greldes für ihre sonstigen Bedürfnisse, über die 
sie aber am £nde jedes Quartals vor dem Magister domus ge- 
naue Rechnung ablegen mussten. Ihren allgemeinen Tisch 
hatten sie im OoUegium Paulinum oder Augusti abgesondert 
Ton dem gememsamen Tisch der übrigen Studenten, der sich 
audi dort befiEuid, Im Winter wurden einige Zimmer zum Ar« 
beiten geheizt, wer dort keinen Platz erhielt, dem wurde ein 
solcher in der Kommunität, also dem Speisesaal, angewiesen. 

Die Stipendiaten der Medicin und Jurisprudenz legen ihre 
Quaitaisoxamina nicht wie die übrigen vor dem magister domus 
und den Superintendenten, sondern vor dem Dekan ihrer Fa- 
kultät ab, von dem sie dauu ein testimouium ihres l^leisses bei* 
bringen müssen. ^^^) 

*«) c. A I. p. m ff. 



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Die Verwaltniig der UniTenitSien Leipzig und Wittenberg. 49 



1624 wird bestimmt^ dass die Stipendiaten mit 18 Jahren 
das Iniamentom religionis ablegen und die sabecriptio libri 
concordiae leisten mUssen.^'^) 

Zum Schluss sollen noch einige aut das Leben imd Treiben 
der Studenten bezügliche Verordnungen und Mandate liier Er- 
wähnung finden. Grübstenteils sind es Erlasse, die sich auf 
Aijss( hreituDgen der studierenden Jugend beziehen und solche 
Yerbieten, so Verbote wider das Duell, das Pennalisieren, das 
Zechen und Lärmen während der Nacht, etc., eto., also meist 
negativer Art. £inige allerdings haben anch einen positiTen 
Inhalt» wie die, welche die Studenten gegen die Ansbeutiuig 
gewissenloBer Wacherer schützen aollen, oder sich auf die Woh- 
nungsfrage und die Frivatpräoeptoren beziehen. 

Die beiden ältesten hierher gehörigen Erlasse des Oodez 
Augusteus sind undatiert, stammen aber sicherlich aus der 
ältesten Zeit der Universität Leipzig, ihr ganzer Tenor, alles, 
was darin verboten wird, z. B. Mord, Diebstahl, gewaltsames 
Eindringen in die Häuser, Überfälle, Raufereien und die Schärfe 
der Strafen , mit denen besonders die Duelle und Kaufereien 
bedroht werden, zeigen, dass man noch keineswegs zu geordne- 
ten Verhältnissen gelaugt, und dass die damalige Studenten- 
schaft stark mit mehr als zweifelhaften Bestandteilen durch- 
setst war. Während des XYL Jahrhunderts findet sich eigent- 
lich keine einzige Verordnung, die sich ehigehend mit studen- 
tischen Ansschreitangen befasst Em günstiges Zeichen für 
die damalige sittliche Haltung der Studentenschaft. Nur im 
Vorübergehen wird in den Ordnungen von 1580 das nächt- 
liche Lärmen und Verhöhnen der Stadtwaclie verboten. 

Mit dem XYII. Jahrhundert und der zunehmenden all- 
gemeiiji n Verwilderung der Sittel^ Tnehren sich auch wieder 
die Verordnungen gegen die Aussciireitungen der Studenten in 
ganz bedenklichem Masse. Besonders richtet sich jetzt der 
Eifer der Behörden auf die Auarottang des Pennalismus mit 
seinen oft schamlosen Ansschreitangen. G^en ihn gerichtete 



"») c. A. 1. p. m i\. 

««») C. A. I. p. 906 ff., 907 E 
C. A L p. 764 f. 
BrnehmftUer, Beltiife> 



4 




50 ^ y«rwaltiiiig der Unrrenltiteii Ij€ii»ig und Witttttbag. 

llandate weist der Codex Augusteus in reicher Anzahl auf. 
DftB ante denrige JlCandat datiert Tom 9. Januar 1624.^**) 
Es folgen solche aus den Jahren 1646, 1648, 1663, 1661, 168S, 
1700.^*") Andere Verbote richten sich gegen das Wehrentiagen 
der Studenten (1619) gegen DueUe 1670, 1712 und 17SS ^"), 
oder gegen anderen groben ünfdg, so Störung des Gottes- 
dienstes durch Weri'bü von den Emporen iiud Ümbcrgoiieii 
während desselben^*®), gegen das Verlarven und Mummejilaufen 
während der Fastenzeit 1617 ^**) etc. etc. 

Positive Bestimmungen für das Leben der Studenten ent- 
halten dagegen wieder die Ordnungen vom 1. «lanuar 1580.^^*^) 
In ihnen wird bestimmt, dass alle unverheirateten Privatpracep- 
toren und Studenten wieder in den Kollegien zu wohnen haben* 
Sind diese besetzt, ao daif ein Student nnr mit Erlaubnis des 
Bektors bei einem sonstigen FriTatprftoeptor wohnen. Dieser 
mnss seine Studenten beaufsichtigen, besonders sie zur Spar- 
samkeit anhalten. Die PriTatpräoeptoren stehen unter der In« 
spektion des Rektors, der gegen faule und liederliche Privat- 
lelirer strafend vorgeheu kann. 

1624 werden Verordnungen getroffen gegen die Uber- 
teuerungen der Studenten durch die Tisch wirte, es wird letz- 
teren yerboti Ii fremdes Bier einzuführen und Zechen nach 
Tisch zu gestatten. 

Krämer und ßuchhändler dürfen einem Studenten ohne 
Yorwissen der Eltern nicht über 10 Gulden, einem Adligen 
nicht über 20 Ghilden borgen.^^^) 

Hierher gehören schliesslich auch noch eine Beihe Ton 
Yeroidnungeo, die yerhüten soUen, dass Studenten dnrch Ans* 
stellong Ton Wechseln sich in Schulden stttrzen. Nadi ihnen 
wird den Studenten, die noch kein eigenes Vermögen besitzen 



»»*) C. A. I. p. !lf>9 ff. 

G. A. 1. p. yVü, 977, 933, 207, 989, 941. 
*«) 0. A. I. p. 172. 
'•^ 0. A. L p. 1638, 1801, M9. 
>M) C. A. I. p. m 

C. A. I. p. 923. 

C. A. 1. p. 754 ff. 

C. A. I. p. 969 ff. 



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Die Vetwaltung der UniTenitiiteii Leipsig und Witteaberer. 51 



oder schon akadenusoke Ghrade erlangt haben, sodass sie sich 
durch Lesen oder Praktizieren selbst ihren Unterhalt Terdienen, 
ftberhanpt die Fähigkeit abgesprochen, rechtsverbindliche Wechsel 
ausstellen xu kennen. Die betreffenden Yerordnungen datieren 
aus den Jahren 1671^ 1681 nnd 1718.i*«) 

0. A. n. p. 2019, 9088, 9068. 



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m 



Anhang. 



Zur ältesten Geschichte der Universität 

Frankiurt a. Oder. 



lo dem 8. Bande der ^^Forschmigen zur BraodenburgischeiL 
und PreaBrischen Gescbichte'' auf Seite 290 teilt Ernst 

Friedländer eine Reihe interessanter Aktenstücke zur Geschichte 
der Universität Frankfurt a/Oder mit. Den ersten Teil dieser 
Akteustücke hilden 14 Bekanntmachungen des ersten Rektors 
der Universität, Conradus Wimpina (Conrad Koch aus Buchend 
des nachmaligen bekannten Gegners Luthers, an die Studi nten. 
Diese Bekanntmachungen umfassen die Zeit vom 15. März 
1506 bis zum 12. Juli 1506, sie fallen also in das Gründungs* 
jähr der Uniyersität und geben uns manche Aufschlüsse über 
das damalige Leben und Treiben an der ÜniTersität. Den 
9. Teil bildet eine Verordnung yom 14. September 1642» die 
eine Tollstimdige Reform der UniYersitat enthält Erlassen 
müde sie nach einer erfolgtm Bevision dnidi bufttrsiliche 
Visitatoren. 

Beide Teile zuaammengenomiiien geben ein so anschau- 
liches Bild des damaligen Universitätslebens, dass wir uns an 
ihrer Hand die Verlmltnisse der UniTersität Frankfurt a/Oder 
Terg^enwärtigen wolleo. 



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Anhang. Zar ältesten Gesohichte der UmTersität Frankfnrt a. Oder. 58 



Am 26. April 1506 wurde die ih uc T"^niversität eröffDet. 
Aber schon eine ziemlich geraiime Zeit vorher müssen sich 
eine Anzahl von Studenten in Frankfurt gesammelt haben. So 
eigeht scbon am 15. März 1506 die erste Bekaontmachung 
des Bektors an die Studenten. Sie sollen am gleichen Tage 
um 19 Uhr in der Wohnimg des Kektors am Harkt, in dem 
Hause des Henm Joh. Bnchholz, sidi einfinden, nm dort einige 
die UniTersität betreffende Verordnungen anzuhören. In anderen 
Bekanntmachungen aus dieser Zeit werden die Studenten auch 
noch in ein anderes Bürgerhaus, das des Caspar Wald be- 
rufen. Wir sehen daraus, dass für den Augenblick die junge 
I^niversität noch keine (ugeiien Kollefriengebäude besass, — 
diese waren, wie wir später seilen werden, vielmehr noch ira 
Bau begriffen — und sich deshalb provisorisch mit anderen 
in Bürgerhäusern gemieteten Räumen begnügen musste. 

Die beiden nächsten Bekanntmachungen vom 25. und 
S6. Aprü beziehen sich direkt auf die Eröffnungsfeierlichkeiten 
der Üniyersit&t. Danach &nd am Tsge der Eröffnung, also 
am 96. April, frUh um 6 Uhr in der MarienkiTohe eine feier- 
liehe Messe statt, zu der alle Magister, Doktoren und Studenten 
sich einzufinden hatten. An diese Messe schloss sich eine 
feierliche Prozession. Ausdrücklich glaubt Wimpina hierbei 
betonen zu uiü^seuj dass alle in anständiger Kleidung zu er- 
scheinen hätten und sich nicht unterstehen sollten, vor Be- 
endigung der Prozession fortzulauii :i , Kr mahnungen , die bei 
jeder derartigen Gelegenheit wiederkeliren. Nach der Be- 
endigung der Prozession und einem einfachen Frühstück haben 
sich darauf um 11 Uhr wieder alle Mitglieder der UmTersität 
vor dem Hause des Rektors am Markt einzufinden. Yen dort 
begab man sich im Festzuge Tor die Stadt, nm dort die Privi- 
legien der üniveiBität zu ,4iithronideren*^ 

Noch S weitere der Bekanntmachungen enthalten Auf- 
forderungen zur Teilnahme an öffentlichen Prozessionen oder 
feierlichen Messen. Die eine begründet diese AufforderuDg 
folgendermasseii : Es sei klar, dass derjenige, welcher nicht 
wisse, dass es würdig, billig und heilbringend sei, Gott zu ehren, 
weder durch Vernunftgründe oder Überredung, noch durch 
Schläge zu erziehen sei. Eine andere Verordnung verbietet 



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54 Anhang. Zar äiteaten G^aschichte der UniTeraität Frankfurt a. Oder, 

auBdrücklicli, während der Prozessi'm Rtörenden Ijärm zu ver- 
ursachen. Sie giebt auch eine Anordnung der Reibenfolge, 
Dach der die Studenten in der Prozession zu gehen haben. 
Zuerst nach den Scholaren die y^minores stadiosi'S dann die 
erwachaeneo Studenten, die sich noch keinen akademischen 
Qiad erworben haben^ darauf diejenigen, die sicli zur Zeit im 
Baccalanreataexamen befinden, dann die Baccalanreen nnd Ma- 
gister^ zuletzt die Doktoren. Fraglich ist bei dieser Bangan- 
itfdnung, was wir unter den ^^minores stodioei'^ zu Tersteben 
haben. Wahrseheinlich waren es Mitglieder der Artistenfakul- 
tät jüngeren Alters — oft wurden schon Knaben im zartesten 
Alter Yon Eltern und \ ormündem als Studenten immatrikuliert 
— die noch nicht die vollen Rechte eines Studenten genossen, 
aber doch schon an der Universität Unterricht besonders in 
den alten Sprachen genossen. Dies scheint mir aus einer Auf- 
forderung des Rektors an Säumige zur Immatrikulation Yom 
20. Mai 1606 hervorzugehen, hier nämlich wird auss^ dien 
Studenten zur Immatrikulation auch geladen, y^quisquis sab 
specie studentis in nostro gymnasio militatf^ 

Wenden wir uns nun zu dem Leben und 0!reiben der 
Studenten selbst. In dieses lasaen uns viele der Bekannt* 
madrangen nicht eben erfreoliche Blicke thuo. Die gesell- 
schaftliche Zusammensetzung der Studenten war damals eine 
in sich viel verschiedenartigere als jetzt. iSIeben den besseren 
und begüterten Ständen fanden sich unter den Studenten nicht 
selten solche Elemente vertreten, denen jede materiolle Unter- 
lage zu einem Studium mangelte, verkommene Existenzen, die 
sich nur durch das micrebimdene Universitätsleben angezogen 
fühlten, Abenteurer, Bildungsproletarier, wie sie die neu er- 
wachenden humanistischen Studien zahlreich herrorgerufen 
hatten^ was nicht in Abrede gestellt werden kann und darf. 
Zahlreich sind die Vorladungen an einzelne Studenten vor den 
Rektor^ um sich wegen allerlei Verg^ungen zu verantworten. 
In sehr entrüsteten Erlassen wendet sich Wimpina gegen das 
„schreckliche, nächtliche Geschreies gegen den Lärm mit 
Pauken und anderen Musikinstrumenten, gegen das nächtliche 
Umherlaufen mit Schwertern, Kugeln und Schleudern. Mit 
schweren Strafen werden die bedroht, welche den Schiffsherren 



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Anhanir* ältesten Qeiebichte der UniTeraität Frankfurt.». Oder. 55 

an der Oder Schaden an ihren Schiöen anrichten, ihnen wider 
ihren Willen die Boote wegnehmen oder gegen die Beamten 
and Wächter der Stadt ^^wüthen^S ja sogar nächtlicher Weile 
in die Häuser embrechen^ etc.^ etc. Um alle dieee Aus- 
schreitiiiigen za Terhüten» verbietet der Bektor sogar am 
Sl. Hai allen Stadenteil den Besncli der öffentlichen Ta- 
bernen, freilich, wie es scheint^ mit verzweifelt geringem Er- 
Mg, da die Klagen, Verbote und Vorladungen wegen der vor- 
her erwähnten Exccssc ungeschwächt fortdauern. 

Ein schlimmeres Zeichen noch iiir die moraiische Minder- 
wertigkeit der damaligen Fraukfurter Studentenschaft als 
die Klagen über diese Ausschreitungen, die sich noch als ein 
überschäumen jugendlichen Ubermutes entschuldigen lassen, 
bildet eine Rektoratsverordnung vom 9. Mai, in der den Stu- 
denten nichts mehr und nichts weniger verboten wird als das 
Einbrechen in die Weiden- und EichenpÜanzungen, Weinberge, 
Gtrten und Fischteiche der Frankfiirter Bürger, um darin zu 
stehlen. 

Ftoiliofa muss man hierbei bedenken, dass dies ganze Bild 
mir aus den eben erhaltenen Verboten gegen derlei Aus- 
schreitungen geschöpft ist, und dass diese sich gerade gegen 
die uuliütüLäööigen Elemente der Studentenschaft richten, deren 
Treiben in diesen Verordnungen sehr grell beleuchtet ist. 

Durch die Verordnung vom 14. September 1542 werden 
wir dann auch in das positive Arbeitsleben der Universität ein- 
geführt, durch das den wüsten Ausschreitungen des zügelloseren 
Teüs der Studentenschaft ein milderes Pendant zur Seite ge> 
stellt wird. 

£h6 wir aber hierauf eingehen^ möchte ich noch die letzte 
Bekanntmachung des Bektors aus dem Sommer 1606 vom 
U. Juli erwähnen, die uns zeigt, wie allmfihlich die Institute 
der ja erst neu begründeten üniversitilt, in der es sicherlich 

auch gerade wegen der Neuanlegung noch besonders wild zu- 
giiig, sich auswuchsen. Der ilektor teilt in diesem Anschlage 
mit, dass das Kollegium und die Bursc bald ganz vollendet 
seui würden. Es waren dies Gebäude, in denen ärmere Stu- 
denten zu billigen Preisen vollständige Aufnahme und Ver- 
pflegung erhielten und unter strengerer Aufsicht zu einem 



56 Anhang. Zur ältesten (ieschiciite der Universität Frankfurt a. Oder. 



flfissigüu und g(H)rdnetem Leben angehalten wurden. Diese 
Kollegien und Burseu nhU'u einen s( !ir heilsamen Einfluss auf 
die Studentenaohaft aus, bis auch sie uu Laufe des XYII. Jahr- 
hunderts ganz und gar ausarteten. Aus der Bezeichnung ihrer 
Mitglieder als „bursarii" bilt^ete dch der spätere Name „Bunche" 
fibr einen Stadenfen. Wimpina Terepricht des Weitmn in 
seiner Verordnung denen, die nicht mehr Au&ahme in die 
Burse finden würden, bei rechtzeitiger Meldung auch die An- 
weisung heizbarer anderer Wohnungen für den Winter gegen 
einen angemessenen Freie , der Ton dem Rektor bestimmt 
werden soll. 

Im Winter 1539/40 hatte in Frankfurt die Pest gehaust, 
sodass Professoren und Studenten die Universität verlassen 
hatten. Freilich fand man sich bald wieder zusammen, und 
die Matrikeln der Universität zeigen nach Friedländer für die 
folgenden Jahre keine besonders niedrige Frequenz. Dennoch 
wird geklagt, dass die Universität „fast abgenommen" habe. 
Von Anfang an machte ja die wenige Jalure vorher (150S) ge- 
gründete XJniTersit&t; Wittenberg dem katholischen Frankfurt 
schwere Konkurrenz. Daher mag die 1542 durchgeführte 
Reform wohl recht nötig gewesen sein. Kurfürstliche Visi« 
tatoren untersuchten im Auftrage des Landesherm die Zostftnde 
der Universität und arbeiteten sodann ihre Reform aus. 

Die Universität Frankfml hat sich bis jetzt trotz der 
wenigen Jahre gegen ihren Anfane^ stark verändert. Früher 
strenof kalhuli^^cb in bewusstem (Tegensatz zu Wittenb(Tjnf — 
Wimpma erwarb sich seinen Ruf als Gelehrter hauptsächlich 
durch seine Bekämpfung Luthers — und noch fast durch und 
durch scholastisch, ist Frankfurt seit 1542 eine lutherische 
Universität und die Humaniora haben Yor allem in der Artisten- 
fakultitt die Scholastik gänzlich verdrängt Schon der geistige 
Urheber der Frankfurter Universität, IHtelwolf Ton Stein, ein 
Gönner Huttens, der sich 1506 auch für einige Zeit in Frankfurt 
aufgehalten hat, hatte in Frankfurt einen Herd des Humanismus 
gründen wollen, eine Absicht, die aber nach kurzem schein- 
baren Erlülge, vollkommen misslungeu war, so sehr, dass 
Frankfurt bald als eine HoclibnrjE^ der Scholastik gelten durfte. 
1Ö42 ist hierin, wie gesagt, ein bedeutender Umschwung erfolgt, 





Anhang. Zur iUtesten Geachichte der UxdTenität Frankfort a. Oder. 67 

besonders was die philosophische Fakultät anbetrifft, aber auch 
in den anderen Fakultäten. So wird 1542 für die medicinische 
Fakultät bestimmt, daas einer der vier Docenten jährlich eine 
Anatomie lesen nnd demonstrieren soll. Im übrigen sollen in 
dieser Fakultät taglich Tier Vorlesungen gehalten werden: 
1) über Galen, 2) über Hippokrates, 3) über Paulus Aegineta, 
4) über Aricenna. In der juristischen Fakultät werden eben- 
falls täglich vier Vorlesungen gehalten : 1) in decretalibus, 2) in 
codice, 3) in libris feudorum, 4) in institutionibus. Von der 
tbf ologiscben Fakultät, die ja schon früher reformiert worden 
war, erfahren wir 1542 nur, daas in ihr täglich drei Lektionen 
gehalten wurden. 

Am eingehendsten werden wir über die philosophische 
Fakultät unterrichtet. An Sprachen wird Latein, Griechisch 
u^d Hebräisch dociert. Lateinische Autoren, über die gelesen 
'wird, sind VergO, Ovid, Terenz, Flantus, Cicero und die Germania 
des Tacttus, griechische Autoren: Homer, Hesiod, Demosthenes 
und Aristoteles. Ausserdem wird noch Ethik, Bethorik und 
Mathematik gelehrt. Der Vorlesung über Ethik wird der 
Aristoteles und die Officien des Cicero zu Gj uniUj gelegt, der 
über Rhetorik Ciceros: de oratore und seine Reden. In die 
Mathematik, in der Euklid herrscht, ist die Astronomie mit 
eiubegriüen. 

Die Vorlesungen begannen im Sommer früh um fünf und 
dauerten bis neun Uhr, worauf eine Panse von zwei Stunden 
eintrat, um dann wieder von elf bis fünf Uhr fortgesetzt zu 
werden. Im Winter las man von sechs Uhr früh bis zehn und 
dann Ton zwölf bis fUnf Ühr nachmittags. 

Während in der medizinischen und juristischen Fakultät 
jährlich nur Tier, in der theologischen nur zwölf Disputationen 
stattfanden, werden in der pbilosopbischen Fakultät niuijutlich 
drei Disputationen und eine Deklamation gelialten. Bei den Dekla- 
iiiutioneu wurden Stelleu aus den alten Klassikern vun den iStud ou- 
ten rezitiert. Ausdrücklich wird bestimmt, dass die Deklamation 
frei zu halten und nicht von Zetteln abzulesen sei. Die ge- 
wählte Stelle musste Torher dem Dekan der philosophischen 
Fakultät, dem Professor der Bhetorik und dem der griechischen 
Sprache Torgelegt werden. 




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58 Anhang. Zur ältesten (ieschichte der üniTersität J^'rankfurt a. Üd^. 

Die Disputationen werden abwechselnd von einem Magister 
oder einem Baccalaureus gehalten , diesem opponieren zwei 
Baccalaureen. Das Thema der Disputation muBs yorher dem 
philosophischen Dekan vorgelegt werden, welcher auch darüber 
zu wachen hat, dass bei der Disputation kein Streit und Lärm 
entsteht, die Disputierenden sich nicht gegenseitig beschimpfen, 
sondern bei ihren BeweisfÜbrangen „zttchtige** Worte gebrauchen, 
dass einer nach dem anderen gehört werde und nicht alle zu- 
gleich reden. Wer einen akademiscben Qrad erlangen woUte, 
muBSte mehrere Male disputiert xmd deklamiert haben. 

Ferien gab es in Frankfurt nur wenige. An vier Tagen 
in der Woche, am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 
musste gelesen werden. Fiel ein Festtag ein, so mussten die 
dadurch verlorenen Stunden später nachgeholt werden. Als 
Festtage gelten nur die in der kurmärkischen Kirchenordnu\)g 
als solche bezeichneten Tage. Zusammenhängende Ferienzeiten 
gab es überhaupt nicht; auch während der fiundstage sollten 
die Vorlesungen fortgesetzt werden. 

Jeder Student musste ausser an den UniTersifötsTorlesungen 
noch an dem Unterricht eines privati praeceptoris teilnehmen. 
Diese wohnten mit ihren Schülern zusammen und sollten auf 
gesitteten Lebenswandel und Fleiss der ihnen Unterstellten 
Acht haben. Sie hatten weiter dafür zu sorgen, dass die 
Student^.11 diu Vorlesungen regelmässig besuchten, sie repetierten 
das dort Gehörte mit ihnen und erteilten an den vorlesnnprs- 
freien Tagen der Woche, also am Mittwoch und Sonnabend, 
ihnen noch selbständig Unterricht, besonders in der G-rammatik 
und den anderen philosophischen Fächern. Mit der Erwerbung 
eines akademischen Qrades entwuchs der Student der Zucht 
dieser PriTatlehrer. 

Hatte man nicht schon auf anderen UniTersitäten studiert, 
so musste man, um einen Grad zu erhalten, sich mindestens 
ein Jahr an der Prankforter üniTersitöt aufgehalten haben, die 
beiden Grade eines BaccaJaureus und Magisters der philoso- 
phischen Fakultät konnten zu gleicher Zeit erworben werden. 
Und zwar wurde der Baccalaureus in Griechisch und Dialektik, 
der Magistrandus in Griechisch, Rhetorik, Natur- und Moral- 
philosophie, in Astronomie und Mathematik geprüft. 



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JÜJiftDg. Zar liltMteii Gtteliiclite der UnlTonität fVaiüdart a. Oder. 59 



Uber die Kosten der Ftomotionen er&hren wir folgendes: 
In allen Paknlt&ten sollen sie herabgesetzt werden, damit sieht 
die Studenten znr Plromotlon auf andere Uniyersitäten gehen. 

Die früher bei Promotionen üblichen Schmaubcreien dürfen 
ganz wegfallen. Die Gesamtkosten sollen nicht mehr betragen 
als: In der philosophischen Fakultät für einen Baccalaurens 27^ 
Gulden, für eiTien Magister 6 Gulden. In der theologischen 
Fakultät für einen Baccalaureua 4 Gulden, für einen Licen- 
tiaten 6 Gulden, für den Doktor 13 Guldeu. In der juristischen 
Fakultät fär den Baccalaureus beider Rechte 8 Gulden, für 
den Lieentiaten 10 Gulden, für den Doktor 14 Gnlden. In 
der medicinischen Fakultät für den Baccalaureus 6 Gulden, für 
den Lieentiaten 10 Gulden, für den Doktor 12 Gulden. Den 
Pedellen hat ein Baccalaureus artium 3 Groschen, ein Magister 
artinm V« Gulden, ein Baccalaureus jeder der 3 anderen Fakul- 
täleu \^ Gulden, ein Liceutiat 1 Gulden, v'm Doktor 3 Gulden 
zu geben. Die bis dahin den Pedellen gegebene Tonne Bier 
samt dem Zuckerwerk soll fort fallen, aber den £xaminatoren 
soll man Getränk und Zuckerwerk geben. 

Ausser dieser eingreifenden Neuordnung des Studienganges 
enthielt unsere Beform noch einzelne Vorschriften über die all- 
gemeine Verwaltung und dann nähere Bestimmungen über die 
Wohnungmi, die Küche und den Keller im Kollegium, 

Zueist die allgemeinen Bestimmungen. Die HSlfte der 
sSmiUchen Einkünfte aus den Promotionen etc. soll an den 
FiskuB der üniTeisitat fallen, aus diesem müssen alle Gebäude der 
Uoirersität und Fakultäten in baulichem Znstande erhalten werden. 

l>as Uekanat der einzcluen J^^ikultätr'u soll vuu lialljem 
Jahr zu halbem Jahr wechseln. JetU r Kt ktor soll im ersten 
Monat st intT Amtsführung die Statuten otfenthch in einer Ver- 
sammlung der ganzen Universität vorlesen und darüber waclien, 
dass sie gehalten werden. Ebenso hat er darauf zu achten, 
dass die Privilegien der Universität auch gebraucht werden, 
damit sie nicht durch Nichtbenutzung verloren gehen. 

In Frankfurt scheint ein Zwang für die Studenten, in den 
Kollegien zu wohnen, nie bestanden zu haben. Mit diesen 
Kollegien beschäftigeo sieh die letzten Bestimmungen der 1642 er 
Hefonn ausführlicher. 




60 Anhang. Zur Ülteiten Geadiiclite der UniTenitiit Frankfort a. Oder. 

Die Wohtrangen in ihnen und die dazu gehörigen Bnisen 
sollen jährlich um einen Zius Termietet weiden, aus dem die 
Gebäude baulich erhalten werden sollen. Ausdrücklich wird 

bestimmt, dass die Wohntm^en auch in einem solchen Zustand 
sein solleü, dasi mau dann wohnen kann. Die besten Ge- 
mächer sind für die „voraehmen, gelehrten und ansehnlichen 
Personen von den Legenten" zu reservieren. Da zur Zeit 
Teurung herrsche , so sollen die armen Studenten mit einem 
„notdürftigen Tisch in collegio'' versorgt werden, und zwar 
haben die Ärmeren pro Woche 6 Groschen, die Wohlhaben- 
deren 8 Groschen dafür zu geben. Aus den Pachterträgnissen 
der UniTersität soll j&hrlich ein Wispel Boggen in diese Küche 
geliefert werden. Der weitere Boggenbedarf soll ebenfalls aus 
diesen Pachteingängen gekauft werden und zwar pro Scheffel 
4 Groschen unter dem jedesmaligen Marktpreis. Ebenso darf 
die Universität wSchentlicb ihren Bedarf an Brot und Fleisch 
accisfrei auf dem Markle decken. 

Einige ^lagister haben immer im Kollegium zu essen und 
dafür Sorge zu tragen, dass dort bei Tisch „gute Zucht ge- 
halten und keine Leichtfertigkeit" getrieben werde. 

In dem Keller des Kollegiums soll guter Wein und gutes 
Bier ausgeschenkt werden, doch soll neben dem fremden Bier 
für die, die solches nicht immer zu zahlen yermögen, auch 
stets Frankfurter Bier gehalten werden , sodass niemals ein 
Mangel an fremdem oder einheimischem Bier eintritt Mög« 
liehst jedoch soll in dem Keller nur den Angehörigen der Uni- 
Tersität das Bier ausgeschenkt werden, während die Übrigen 
Stadteinwobner, so weit es geht, fem zu halten sind. 

Die Reform schliesst endlich mit einer Ermahnung, dass 
sich die Universitätsmitglieder in der Religion streng nach der 
kurmärkischeu Kirchenordnung halten und nicht ..dansadcr reden 
und böse Exempel geben" sollen. Wer von den Professoren im- 
fleissig Vorlesungen hält, soll an seinem Gehalt gekürzt werden. 



Ltpfftcl A Co. (O. f ittPMbt Bsohdr.), STMUilMUg S. 



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In dem unterzeichneten Verlane ist erschienen: 

AskenaÄV, S., Die letzte polnische Koniüswahl. 158 S. 8". 
1894 ^4.— 

Anf Gmndlasre des Torliecrenden mssischen AktenntaterialA nntersncht 

A. die AVej;e und Mittel, «Inrrli w»Mit Poniatowskis Wahl von Husslainl durch- 
ffesietzt wurde. Seine Anstiilinini^-en sind klar mnl iihi rz»'n<renil. In einem 
Anl»anL''f' ist 7.nm 'IVil sehr iiit^fe^santes rrkuiiiU'iniiatri ial a'>ireilrnrkt 

DaiilmaniL-Waitz, Quellenkunde der deutschen Geschichte. 
Quellen und Bearbeitungen systematisch und chronologisch 
verzeichnet 6. Auflage bearbeitet von E. Steindörff. 
730 S. 11.—, gebunden Jt 12,— 

Da.«* Bncli ijewährt bei aller Knappheit einen crrossnrtijren Ueberhlick 
sowohl üher die Gmn<11aireii. nnf dcnon ilie deutsche (re-sehieliri >iili anfliant. 
als über den «lureh jaiirliundertelauge emsige For^ichunfi: gewonnenen gegen- 
wRrtifiren Stand der Wissenschaft nnd bietet jtedem, der sich Uber irgend einen 
T( il •! ^ iiiiirehenren Gebiets näher unterrichten will, ein äusserst beqnemes 
ililt-niittel dar. 

Forschungen zur deutschen Geschichte. Herausjifeg-ehen von doi- 
Itistorischeu Konnui^ision bei der K. Bayerischen Akademie 
der Wissenschaften. 26 Bände nnd Ee£ri>ftf'i- zn Bd. I XX. 
1886. (statt .// lV)4.')0) .//. 200.— 

Havemann, W., Die Geschichte der Lande Braunschweig und 

Lüneburg. 3 Bde. 1853—57. (statt 12.—) Ji 6.— 

Liiclitenberg, Georg Chr., Vermischte Schi iften. 8 Bände. 
Mit dem Porträt, Facsinüle und einer Ansiclit vom Geburts- 
hause des Verfassei's. jn 3.— 

EinziiEre vollstliudlire Ori^iualausjcrabe der Schriften dieses geistvollen 

Humorif^tfii um] Satirikers. Diese Ausfalle ist von den S'ölmen Lielitenher£j:.<* 
Veranstalter und enthält alle.s nut Ansuahiue der reiuwiaseuschaltlichen .^nfsntze. 

Ritter, Heinrich, Ueber unsere Kenntniss der Arabischen 
Philosophie nnd besondt-rs über die Philosophie d^r orthodoxen 

Arabr^ lirn Doo-inatikcr. l^Ai (statt ,// l ,r>()i j( — .()0 

HiXtter, Heinricli, Abriss der philosophischen Logik. 2. nni- 

gearb. Aull. 1829. (?;tatt 2.50) —.75 

Ritter, Heinrich, Die Emanationslehre im Coberirnnge aus 
der altertümlichen in die christliche Denkweise 1847. 

(Statt ./-z 1.20) j{ ^.,50 

Wagner, J. J«, Wörterbuch der Platonischen Philosophie. 

1799. fstatt .// 1.50) .// —.60 

IfiTagner, Rudolf, Der Kampf um die Seele vom Standpunkt 
der Wissenschaft. Sendschreiben an Herrn Leibar/.t Dr. 
IkMieke in Oldenbnrg. 1857. (statt .// :i.— ) 1. — 

Wait2, Gr., Schleswig-Holsteins Geschichte in drei l^ücheni. 
gr. S"". 1851 '54. (statt J( 18.—) J(. 9.— 

Das erste Burli Ix liaiidtll die ^'ereiiiimiui; .Si uk-.-wio-. Holsteins, das 
Bweite (He Zeit der vollen Selbständiirkeit und das dritte die Känii)te, welche 
um diese Selbständigkeit und Unabhängigkeit geführt worden sind. 

Leipzig iüetericli'ßdie \ erlagsbiichliaudiuiig 

(vorm. Göttiiigen) Theodor JVeleher* 



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In dem unterieiclineten Verlage Ut erschienen: 

Barge» Hermann, Entwicklung der geschichtswissenschaft- 
liehen Anseliauunfen fn Deutechland. gr. 8^ 3ß jt —.60 

Kerondas' Mimiamben. Deutsch mit Einleituug uud Aumei kimgeu 

von O. Crusius. XLIV und 8(3 S. Ji 2.— 

I>ie Eiuleitniifif Mnirt eine (lianikteristik nnd WHnliürniifr «le>« Herondaa; 
•'iiu' Analjve flu* *itiz<linii StHike: ruttrsmlmngen üVr Ht'inmt uud Zeit^ 
Yürjriiiiücr und Voihildcr «ks lUchtris; ntunireu \\h< r die Vortrairsweiise 
der Miuii u, Ubtr Form uutl /weck der L tlu'ist tzuuif. In den Anmerkuugen 
findet der Leser die für die Sacherklttrane: notwendicrsten Nachweise, im 
^kritiMlini Auliauj;" v'nw ]iv^\re*\i\\\\i: sciiwit-rii:« !- T. xtiiai f i< n. Audi dem 
rhilol(.yf(n wird das rduld» in als zweckiiiässigt Lmfühiimg iu das Stndium 
des sthwitMiiTin l>irlifrrs willkninnun sfiu. 

Hogarths Werke m M-i kleinerten aber vollständig'en Kcpien 
Voll K. Jiicpeuliausen. Neue Ausgabe von H. Loedel. 
88 KuplVistiehe, Folio, in eleganter Mai)pe. Dazu Text von 
Georg Chr. Lichtenberg, in 1 Bd. gebunden. 25. — 

Der im Jahre 1897 er^chteoene Neudruck der Tafeln ist nur in 

wt niir« n Imndi rt Excniplar«ii her jL^t s teilt worden. Der Preis i>t so uui^ewöhn- 
lich liiilii^ benios^rn, dass er die weiteste Verl»r<'irmijr des Wt rkes unter den 
zahlreichen Freunden von lIoL'm-ths Kunst und Art ei niTii^lieht. 

Georg Chr. Lichtenbergs Briefe an Dieterich, 1770—1798. Zum 
hinifiert iiilii i^ron Todc^tnsre Lu hit ultergs herausgegeben von 
Eduard GriseLacli. Mit einem Porträt Lichtenbergs 
nnd einem Chodowieckischen Originalkupfer. 



Schxnid, W., lieber den kulturgeschichtlichen Zusammenhang 
und die Bedeutuny der griechischen Renaissance in der 
Rdmerzelt B*". 47 S. Ji 1.20 

Dem seit Ende des 2. vorchristlichen Jalirhunderta sich emeaemden 
Kultus der kla»sisch-attis<hen Kunst, dessen Bedeutimc- fi^r die Litteratur- 
niid Sprachgeschiehte er in seinem „ Attieismus-' beleuchtet^ sucht Verfasser 
durch diese kurze Uebersiclit seine Stellung in der Geschichte hellenischer 
Nationalität uud im gesamten Geistesleben des späteren Altertums anzuweisen, 
indem er den inneren Zn-^nmuienbanir d» r hadriani:*ehen Henaissanoe mit der 
Vergaugeuheil , unter dem (resichtsmiukt ihres Gegensatzes s^geu die Bar- 
barisierung des Qriechentnms, nnd ihre noch jetzt nicht erloschene Wirkung 
auf die Folgezeit darlegt. 

Saltau, Wilhelm, Liviue' Geechiehtewerk, seine Kompositiou 
und seine Quellen. Ein Hilfsbuch fiir Geschiebtsforscher nnd 
Liviußleser. VH u. 224 S. Lex. 8** ^ 6.— 

Dien - V,u< h, Theodor ^fnmmsen zum 80. Gfbnvt^itac:»'' ir^'^vidniet . hat 
zum erstenmal den Versuch jtremacht, das gesamte Livianische üeschicUtswerk 
auf seine direkten Quellen zurückzuführen und damit eine gesicherte Grund- 
lage für eine (teschichte der riimix hen Annalistik zu gewinnen. 

Es wird ein nnentbcbrlichrs Hilfsmittel für jeden «ein, der sieh gründ- 
licher mit römischer Ueschichte uud römischen Historikern beschäftigen will. 



Jü 2. — , gebunden J( 3, 



Leipzig? 
(vorm. Güttingen) 



Dieterich'sche Yeiiagsbuchliaudluiig 

Theodor Weicher. 



Lipptrt & 0<>. lü. rati'sche ünchdr ), N'nuinburg a/8. 





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